> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://jacobin.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Private Equity kauft den Fußball auf
- URL: https://jacobin.de/fussball-fifa-psg-uefa-infantino-private-equity/
- Published: 2026-08-27T13:30:15.000Z
- Updated: 2026-08-27T13:30:15.000Z
- Description: Trotz der Kritik an Gianni Infantinos Plänen, Anteile an der WM zu veräußern, ist das Prinzip auf nationaler Ebene längst Alltag: Private-Equity-Firmen kaufen Fußballclubs auf, strukturieren sie um und veräußern sie für maximale Rendite weiter.
- Author: Sophie Bandarkar
- Tags: Sport, Wirtschaft, #Feature1

Girondins Bordeaux ist einer der traditionsreichsten und erfolgreichsten [Fußballvereine Frankreichs](https://www.goal.com/en/news/phoenix-rising-in-bordeaux-how-private-equity-can-turn-ashes-into-glory-/blt73fc5c6a2ee8d507?ref=jacobin.de). Der Verein kann auf sechs Meistertitel in der Ligue 1 zurückblicken und hat Starspieler wie Zinedine Zidane, Jules Koundé und Aurélien Tchouaméni hervorgebracht. Zu Beginn der Saison 2025/26 stand er aber kurz vor dem Aus. Nach Jahren finanzieller Misswirtschaft, Verschuldung und Verwaltungsstrafen kämpfte der Club in der vierten Spielklasse des französischen Fußballs ums Überleben.

Das Schicksal von Girondins ist beispielhaft für einen allgemeinen Trend im Profifußball: Finanziell angeschlagene Vereine enden nicht selten in der Insolvenz – ein Prozess, der durch die Pandemie noch beschleunigt wurde. Bordeaux verfügt nach wie vor über eine der angesehensten Nachwuchsakademien Frankreichs, ein (meistens nicht voll ausgelastetes) Stadion mit 42.000 Plätzen und eine treue lokale Fangemeinde (zu der auch meine eigene Familie gehört). Anfang Juli erwarb die im Vereinigten Königreich ansässige Investmentgesellschaft Sparta Capital den Verein für einen [symbolischen Euro](https://sports.yahoo.com/articles/british-funds-sparta-capital-complete-105000465.html?ref=jacobin.de) (nachdem sie zuvor zehn Millionen aufgebracht hatte, um dessen Schulden zu tilgen).

> »Seit etwa zehn Jahren kommt ein neuer Trend hinzu: Vor allem US-amerikanische Private-Equity-Firmen kaufen Fußballvereine auf. Diese Akteure haben seit 2016 über zehn Milliarden Euro in den europäischen Fußball investiert.«

Solche Vorgänge bezeichnet man als »[Phönix-Strategie](https://www.goal.com/en/news/phoenix-rising-in-bordeaux-how-private-equity-can-turn-ashes-into-glory-/blt73fc5c6a2ee8d507?ref=jacobin.de)«. Der Begriff aus der Finanzwelt steht für die Praxis von Private-Equity-Firmen, angeschlagene Unternehmen aufzukaufen und umzukrempeln. Das ist inzwischen zu einem zunehmend relevanten Phänomen in der Wirtschaft rund um die weltweit beliebteste Sportart geworden. Derartige Verträge ziehen weitaus weniger Aufmerksamkeit auf sich als beispielsweise FIFA-Boss Gianni Infantinos gescheiterter Plan, die Rechte an der Fußball-Weltmeisterschaft zu verkaufen.

## Eine neue Clubbesitzer-Klasse

In den vergangenen drei Jahrzehnten gab es im Fußball eine Verschiebung – weg von lokalen Eigentümern und hin zu einer neuen Besitzergruppe: Milliardäre, Staatsfonds aus der Golfregion und staatlich gestütztes Kapital aus China. 

Einige, wie [Gérard López](https://ronitkothari4.medium.com/the-gerard-lopez-football-empire-a-tale-of-ambition-success-and-spectacular-failures-across-f6e6641ffe39?ref=jacobin.de) in Bordeaux, haben die Vereine schlecht geführt und sie in den Ruin getrieben. Andere – insbesondere der Eigentümer von Paris Saint-Germain, Qatar Sports Investment – haben so viel Geld in »ihren« Verein gepumpt, dass die Kosten insgesamt in die Höhe schossen, vor allem für Transfers oder [Gehälter](https://www.skysports.com/football/news/11095/13565911/how-the-premier-league-transfer-market-has-exploded-are-lb100m-plus-fees-for-players-the-new-normal?ref=jacobin.de) der Spieler. Für die Konkurrenz wurde es zunehmend schwierig bis unmöglich, mit Clubs wie PSG Schritt zu halten, ohne den finanziellen Zusammenbruch zu riskieren. PSG dominiert die französische Liga seit dem Eigentümerwechsel vor 15 Jahren und hat es kürzlich als erst zweiter Verein seit 1990 geschafft, den Champions League-Titel zu verteidigen.

Seit etwa zehn Jahren kommt ein neuer Trend hinzu: Vor allem US-amerikanische Private-Equity-Firmen kaufen Fußballvereine auf. Diese Akteure haben seit 2016 über zehn Milliarden Euro in den europäischen Fußball investiert. Finanzunternehmen besitzen mittlerweile 36 Prozent aller Vereine in den fünf wichtigsten Ligen Europas (England, Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich). Europa ist dabei der »reifste Markt« der Fußballinvestitionen, doch die Dynamik breitet sich weltweit aus, von der Major League Soccer in den USA bis hin zu den Top-Ligen in [Mexiko](https://www.privateequitywire.co.uk/general-atlantic-invests-around-240m-in-mexican-football-assets-ahead-of-2026-world-cup/?ref=jacobin.de), [Brasilien](https://www.wsj.com/articles/brazils-treecorp-sells-stake-in-coritiba-as-new-soccer-investors-enter-the-country-a7ad1e5c?eafs%5Fenabled=false&ref=jacobin.de), [Saudi-Arabien](https://pe-insights.com/saudi-football-looking-to-score-with-pe-deals/?ref=jacobin.de) und anderen Staaten.

Der Ökonom [Luc Arrondel](https://www.lesechos.fr/idees-debats/cercle/le-private-equity-americain-part-a-la-conquete-du-football-de-louest-europeen-2190009?ref=jacobin.de) zeigt auf, dass dieser Trend unterschiedliche Formen annimmt. So können Investmentfirmen eine Mehrheitsbeteiligung erwerben – wie RedBird bei Toulouse und dem AC Mailand oder Apollo Global Management bei Atlético Madrid – oder eine Minderheitsbeteiligung kaufen, wie Silver Lake bei Manchester City. Investoren können sogar die Vermarktungsrechte für ganze Ligen erwerben, wie es [CVC Capital](https://www.blackmontconsulting.com/post/private-equity-investments-in-football?ref=jacobin.de) 2021 für die spanische La Liga tat, oder das Recht auf einzelne operative Funktionen: So hat Sixth Street das Recht, in den kommenden 20 Jahren an der Betriebsführung des [Santiago-Bernabéu-Stadions](https://sixthstreet.com/investment%5Fannounce/strategic-partnership-between-real-madrid-sixth-street-and-legends/?ref=jacobin.de) von Real Madrid mitzuwirken.

## Der Verein als Anlageprodukt

Der heutige Markt setzt sich zusammen aus traditionellen Private-Equity-Gruppen, auf Sportinvestitionen spezialisierten Unternehmen sowie anderen Finanzinstituten wie Hedgefonds oder Risikokapitalgesellschaften. Grundsätzlich gilt: Private-Equity-Gesellschaften erwerben Vereine nicht als persönliche Prestigeobjekte oder als langfristige Anlage. Vielmehr investieren sie das Geld anderer mit dem Ziel, Rendite zu erzielen, häufig in Form eines gewinnbringenden Weiterverkaufs des Clubs.

Elias Gouabella, ein Experte im Bereich Private Equity, beschreibt die gegensätzlichen Logiken, die hier am Werk sind: »Einzelunternehmer, die Clubbesitzer werden, mögen zwar auf Gewinne bedacht sein. Doch neben einer gewissen Soft Power oder finanziellen Interessen kaufen sie Vereine in der Regel aus Leidenschaft. Der größte Unterschied liegt daher in der Zeitspanne. Private-Equity-Gesellschaften sind kurzfristig orientiert, ihr maximaler Zeithorizont beträgt zehn Jahre, und sie konzentrieren sich voll und ganz auf die Rentabilität. Einzelunternehmer können es sich leisten, geduldig zu sein, und sie verfügen über die nötigen finanziellen Mittel, um zu reinvestieren. Private-Equity-Gesellschaften hingegen sind an die internen Vorgaben für ihre Rentabilität gebunden.«

> »Das Verschieben diverser Assets ist im Finanzsektor eine gängige Praxis. Im Fußball wirft eine solche Praxis aber grundlegende Fragen darüber auf, was mit dem Sport an sich geschieht, wenn Vereine in reine Anlageprodukte umgewandelt werden.«

Infolgedessen suchen sie in der Regel nach Möglichkeiten, die kommerziellen Einnahmen zu steigern, »Assets« wie Stadien, Nachwuchsakademien, Fankreise oder das Vereinserbe zu monetarisieren und die Vereinsführung sowie die Finanzen des Clubs so umzustrukturieren, dass sie denen eines privaten Unternehmens ähneln. Wie Gouabella es ausdrückt: »Da sie nicht lange bleiben, konzentrieren sie sich auf Dinge wie zahlreiche Spielertransfers oder das schnelle Anhäufen von Titeln. Das ist ein völlig anderer Ansatz für diesen Sport.«

Neben höheren Ticketpreisen und der Übertragung von Spielen auf Pay-TV-Plattformen, ist das Modell des Multiclub-Ownership (MCO) ein weiterer Grund zur Sorge für die Fans. Die Hälfte der Vereine in der englischen [Premier League](https://www.bbc.com/sport/football/articles/c4g49xrjnxno?ref=jacobin.de) unterliegt mittlerweile in irgendeiner Form einer MCO-Struktur. Das Modell ermöglicht es *einem* Eigentümer, *mehrere* Vereine als Teile *ein und desselben* Wirtschaftsportfolios zu behandeln. So können Spieler, Trainer und Geld zwischen den einzelnen Teilen hin und her verschoben werden.

BlueCo, eine Investmentgruppe im Besitz von US-Unternehmer Todd Boehly und Clearlake Capital, hat beispielsweise zunächst Chelsea und anschließend Racing Straßburg gekauft. Die Gruppe nutzt den französischen Verein nun, um junge Spieler zu fördern, und »verkauft« diese anschließend an Chelsea – eine Transaktion zwischen zwei Teilen desselben Unternehmens. 2026 verließ außerdem der Trainer von Straßburg, Liam Rosenoir, den Verein [mitten in der Saison](https://www.lepoint.fr/sport/le-piege-de-la-multipropriete-sest-referme-sur-strasbourg-et-fait-craindre-le-pire-pour-le-foot-F3DNSXOJ5FHNNDVG5HEEMJPGKA/?ref=jacobin.de), um das Ruder bei Chelsea zu übernehmen.

Gouabella verweist auf die schwerwiegenden Folgen des MCO-Modells: »Beim Multiclub-Ownership werden die Satelliten-Teams im Wesentlichen zu Tochtergesellschaften der Flagship-Clubs. Das widerspricht der Tradition und Kultur des Fußballs, in der jede Mannschaft ihre eigene Identität hat und die Interessen ihrer jeweiligen Fans bedient.«

Das Verschieben diverser Assets ist im Finanzsektor eine gängige Praxis. Im Fußball wirft eine solche Praxis aber grundlegende Fragen darüber auf, was mit dem Sport an sich geschieht, wenn Vereine in reine Anlageprodukte umgewandelt werden.

## Infantinos Plan

FIFA-Präsident Gianni Infantino wurde weithin dafür kritisiert, die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2026 zu einem [konsumkapitalistischen Spektakel](https://jacobin.de/fussball-wm-usa-trump-fans-wm2026/) gemacht zu haben. Es gab Ärger über diverse Entwicklungen, von der Anhebung der Ticketpreise auf astronomische Niveaus über die Einführung eines [dynamischen Preissystems](https://jacobin.de/fifa-fussball-wm-trump-infantino/) bis hin zu den Trinkpausen während der Spiele, mit denen die Werbezeit für Sponsoren verdoppelt wurde.

Trotz der internationalen Empörung [ging Infantinos Plan](https://www.svgeurope.org/blog/headlines/fifa-forward-enterprise-may-have-been-scrapped-but-the-power-of-private-equity-remains-strong/?ref=jacobin.de) aus seiner Sicht weitgehend auf: Die Zuschauerzahlen in den Stadien erreichten historische Höchststände; die Nachfrage nach Tickets überstieg das Angebot. Das zeugt einerseits von der unglaublichen Fan-Leidenschaft im Fußball im Vergleich zu jeder anderen Sportart, andererseits aber auch von der Bereitschaft der Reichen, diese Leidenschaft für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, welche Folgen dies für den Sport haben könnte, den sie angeblich lieben.

In den Wochen nach dem Ende der WM geriet Infantino erneut unter Beschuss wegen seines umstrittenen Vorschlags, die kommerziellen Interessen der FIFA in ein anlagefähiges Vehikel namens FIFA Forward Enterprise (FFE) [auszugliedern](https://www.svgeurope.org/blog/headlines/fifa-forward-enterprise-may-have-been-scrapped-but-the-power-of-private-equity-remains-strong/?ref=jacobin.de). Er ist der Ansicht, die FIFA sei im Vergleich zum europäischen Fußballverband UEFA oder der britischen Premier League nach wie vor »untermonetarisiert«. [US-amerikanische Sportligen](https://www.bbc.com/news/articles/clyvd8363wlo?ref=jacobin.de), insbesondere die NFL, müssten als Vorbilder angesehen werden, denen es zu folgen gelte.

> »In den kommenden Jahren wird es vermutlich zu zahlreichen Veränderungen und Umbrüchen in der Wirtschaft kommen, doch die Bereitschaft der Fans, ihre lokale Fußballmannschaft zu unterstützen und zu den Spielen zu gehen, wird höchstwahrscheinlich bestehen bleiben.«

Dem gegenüber steht die Tatsache, dass die FIFA eine gemeinnützige Organisation ist, die sich keinerlei [Sorgen](https://theconversation.com/spectacular-deficits-and-record-revenues-fifas-financial-cycles-are-a-winning-strategy-284708?ref=jacobin.de) hinsichtlich finanzieller Unsicherheiten machen muss (tatsächlich verfügt sie über Reserven in Milliardenhöhe). Inzwischen haben die FIFA und ihr Boss den Vorschlag zurückgezogen, nachdem internationale Empörung und [offener Widerstand](https://sports.yahoo.com/articles/opposition-grows-fifa-world-cup-092933947.html?ref=jacobin.de) seitens der europäischen, nord- und mittelamerikanischen sowie asiatischen Mitgliedsverbände laut geworden waren. Die Kritik ging einher mit Drohungen eines zukünftigen WM-Boykotts der einzelnen Verbände.

Doch dieses (vorerst) gescheiterte Vorhaben ist nicht isoliert entstanden. Es war vielmehr der bislang offenste Ausdruck einer Entwicklung, die sich auf fast allen Ebenen des Profifußballs vollzieht.

## »Die WM steht nicht zum Verkauf«

Die steigenden Investitionen in den Fußball fallen in eine Zeit, wo in der Private-Equity-Branche überschüssige Liquidität herrscht. Zwar sind Fußballvereine relativ risikoreiche Anlagen, bei denen es im Vergleich zu traditionellen Private-Equity-Investitionen recht lange dauert, bis sich Renditen einstellen. Doch diese »Unterhaltungssparte« erscheint angesichts wachsender finanzieller und sozialer Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der weiteren KI-Entwicklung als ein einzigartig »verlässlicher« Anlageplatz für überschüssiges Kapital.

Anders gesagt: In den kommenden Jahren wird es vermutlich zu zahlreichen Veränderungen und Umbrüchen in der Wirtschaft kommen, doch die Bereitschaft der Fans, ihre lokale Fußballmannschaft zu unterstützen und zu den Spielen zu gehen, wird höchstwahrscheinlich bestehen bleiben. Private-Equity-Investoren sehen darin eine Chance, die es zu nutzen gilt.

Bleibt noch die Frage nach den Verbänden: Als alle 55 UEFA-Mitglieder mit einem Boykott der FIFA-Turniere drohten, solange der Vorschlag zur Teilprivatisierung der Fußball-Weltorganisation noch im Raum stand, [lehnten](https://sports.yahoo.com/articles/british-funds-sparta-capital-complete-105000465.html?ref=jacobin.de) sie auch ausdrücklich die Vereinnahmung des Sports durch private Investoren oder seine Behandlung als reines Anlageprodukt ab: »Manche Dinge sind einfach zu wichtig, um sie zu verkaufen. Die FIFA-Weltmeisterschaft gehört dem Fußball. Das wird immer so bleiben. Und solange Europa ein Mitspracherecht hat, wird sie niemals zum Verkauf stehen.«

Dieser deutliche Widerspruch ist lobenswert. Doch wir sollten uns nicht nur mit solchen medial vielbeachteten Konflikten befassen. Wenn wir das Recht aller auf Teilhabe an diesem schönen Sport schützen wollen, müssen wir auch die weniger auffälligen, aber ebenso [gefährlichen Finanzialisierungsprozesse](https://jacobin.de/fussball-finanzialisierung-krypto-nft-cristiano-ronaldo-investoren/) im Blick behalten, die den Volkssport umzugestalten drohen.

---

*Übersetzung von Tim Steins.*