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# Islamismus und Rechtsextremismus sind kein Gegensatz
- URL: https://jacobin.de/islamismus-rechtsextremismus-csd/
- Published: 2026-08-19T06:00:46.000Z
- Updated: 2026-08-19T06:00:46.000Z
- Description: Rechte Politiker machten aus dem CSD-Anschlag sofort eine Migrationsdebatte. Dabei haben islamischer und weißer Nationalismus mehr gemeinsam, als die Öffentlichkeit wahrhaben will: Sie richten sich gegen dieselben Gruppen – vor allem gegen Queers.
- Author: Ilyas Ibn Karim
- Tags: Politik, Islamismus, Rechtsextremismus, #Feature1

Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin, bei dem eine Person getötet wurde, entbrannte eine Islamismus-Debatte, die weder Raum für Trauer bot noch den Fokus auf das Leid der queeren Community legte. Stattdessen ging es – wie nach allen Terroranschlägen seit dem Breitscheidplatz – um Migration. Und das, obwohl zahlreiche Stimmen aus der queeren Community bereits Stunden nach dem Attentat alles Erdenkliche dafür taten, nicht für eine rassistisch-nationalistische Kampagne instrumentalisiert zu werden. 

In ihrer Rede zur Trauerandacht am Brandenburger Tor sprach Aktivistin und Drag-Ikone Barbie Breakout sogar explizit Rassismus als Problem an. Die Reaktion der Politik beschäftigte sich jedoch gar nicht mit den Anliegen der queeren Community. Denn die Existenz von Queers dient dem deutschen Nationalismus bestenfalls nur als Vorwand für eine autoritäre Migrationspolitik. Das Hissen einer Regenbogenflagge vor dem Bundestag oder den Schutz von queerem Leben in die Verfassung zu integrieren ist hingegen schon zu viel.

Dieser Programmatik entsprechend nutzte Kanzler Merz die Gelegenheit, die Debatte wieder auf den Entzug der Staatsbürgerschaft von Doppelstaatlern zu lenken, dieses Mal angeblich, um islamistischen Gefährdern die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Alexander Dobrindt sprach sich für zwingende Präventivhaft für Gefährder und den Einsatz von Fußfesseln aus. 

Dass CSDs in den vergangenen Jahren vor allem in Ostdeutschland unter permanenter Gewaltandrohung durch Rechtsextreme durchgeführt werden mussten, hatte das Bundesinnenministerium bislang zu keinerlei Sicherheitsmaßnahmen veranlasst. Und das, obwohl selbst laut dem aktuellen Bericht des Bundesverfassungsschutzes Rechtsextremismus in Deutschland statistisch nach wie vor die größte Bedrohung darstellt.

> »Häufig wird außer Acht gelassen, dass die primäre Unterscheidung zwischen ›rechtsextrem‹ und ›islamistisch‹ gerade gar nicht aufgrund ideologischer Gemeinsamkeiten beziehungsweise Differenzen, sondern entlang einer Geographie verläuft, die eine Unterteilung in weiße und nicht-weiße Gewalt vornimmt.«

Im öffentlichen Diskurs gilt islamistische Gewalt als die akutere und barbarischere Gefahr, als Feind im Innern, der aktiv unsere liberale Demokratie unterwandert. Gleichzeitig wird die Kritik an der Linken laut, sie würden die Gefahr durch den Islamismus nicht benennen. Derlei Kritik wird nicht nur vom rechten Rand geübt. So behauptete die Aktivistin Düzen Tekkal in einer TV-Debatte, dass das Schweigen über den Islamismus, aus vermeintlicher Angst vor einem Rassismusvorwurf, zum Bodyguard der Täter geworden sei. Dabei redet Deutschland seit 9/11 über nichts anderes als Islamismus. 

Auf Social Media wurden unterdessen eine Reihe von Posts abgesetzt, die Islamismus in den Blick nahmen, aber auch auf die Gefahr für die queere Community durch Rechtsextremismus verwiesen, außerdem wurde angeregt über Begrifflichkeiten diskutiert. Das Spektrum reichte von der Gleichsetzung beider Phänomene bis hin zur Gegenüberstellung. Nuancierte und in großen Teilen korrekte Analysen kamen von Stimmen wie Sozialwissenschaftler Cihan Sinanoglu und Publizist Fabian Lehr, die bemüht waren, analytische Differenzen beider Ideologien aufzuzeigen. Die übliche Unterscheidung zwischen rechter und islamistischer Gewalt ist allerdings insofern irreführend, als dass Islamismus selbst eine rechte Ideologie darstellt. Tatsächlich bietet die Analyse von rechtsextremistischer und islamistischer Gewalt als Spielarten des Hypernationalismus nützliche Tools zur Einordnung der innewohnenden Queerfeindlichkeit. 

### **Was taugt der Begriff Islamismus?** 

Häufig wird außer Acht gelassen, dass die primäre Unterscheidung zwischen »rechtsextrem« und »islamistisch« gerade gar nicht aufgrund ideologischer Gemeinsamkeiten beziehungsweise Differenzen, sondern entlang einer Geographie verläuft, die eine Unterteilung in weiße und nicht-weiße Gewalt vornimmt. Insofern greift auch die Kritik am Begriff Islamismus selbst, wenn dieser bereits als Marker der Rassifizierung gilt. Auch wenn es durchaus nützliche Definitionen von »Islamismus« gibt und der Begriff deutlich weniger irreführend ist als andere, wie etwa »politischer Islam«, bleibt das Wort doch auffällig bedeutungsleer. Ein »Ismus«, der irgendetwas mit dem Islam zu tun hat, kann in der Tat alles Mögliche bezeichnen. Diese Vagheit lädt dazu ein, sehr Unterschiedliches auf den Begriff zu projizieren. Islamismus-Debatten umfassen alles von tödlichen Anschlägen über femonationalistische Kopftuchdebatten bis hin zur Palästinasolidarität.

Dennoch ist ein Begriff wichtig, um Extremismus und Gewalt im Namen des Islam als analytische Kategorie von der Religion als Ganzes zu trennen. Es braucht Worte, die deutlich machen, dass es sich hier um eine konkrete, moderne politische Ideologie handelt und nicht um den essenziellen Ausdruck einer religiösen Kultur.

> »Rechtsextreme und islamistische Radikalisierung sprechen dieselben demographischen Gruppen an, bedienen sich ähnlicher Codes und Feindbilder und bauen auf ähnlichen bis identischen ideologischen Modulen auf, wie Populismus, Romantik und Vitalismus.«

Anstatt uns auf die geographische Einteilung von Gewalt in Islamismus und Rechtsextremismus einzulassen, nehmen wir Ursprünge, Mechaniken und gemeinsame Feindbilder in den Fokus. Beide Phänomene lassen sich durchaus als Ausdruck einer allgemeinen, global zu beobachtenden faschistischen Radikalisierung, zuletzt vor allem in jüngeren Generationen, begreifen. Rechtsextreme und islamistische Radikalisierung sprechen dieselben demographischen Gruppen an, bedienen sich ähnlicher Codes und Feindbilder und bauen auf ähnlichen bis identischen ideologischen Modulen auf, wie Populismus, Romantik und Vitalismus. 

Aufgrund genau dieser Gemeinsamkeiten ist es möglich, Islamismus auch als rechtsextreme Ideologie zu verstehen. Noch eindeutiger wäre es von einem weißen und einem islamischen Nationalismus zu sprechen, welche sich die gleiche historische DNA und unterschiedliche Eskalationsstufen, von Terrorismus bis staatliche Gewalt teilen. Islamismus und islamischer Nationalismus entstanden im Kontext des Nationalismus, der als politische Bewegung in Europa und Amerika im 18\. Jahrhundert zunächst als freiheitlich-emanzipatorische Bewegung begann. 

Die Idee der souveränen Nation wurde dann im Laufe des 19\. und 20\. Jahrhunderts in Form von kolonialer Unterdrückung global exportiert. Islamismus beziehungsweise islamischer Nationalismus entstand infolgedessen, zusammen mit anderen lokalen Nationalismen, zuerst als Teil von antikolonialen Kämpfen mit dem Ziel Souveränität und Selbstbestimmung zu erlangen. 

### **Islamischer Nationalismus**

Von einem islamischen Nationalismus zu sprechen, mag auf den ersten Blick unpassend oder irreführend wirken. Zwar gibt es zweifellos ausdrücklich nationalistische Akteure innerhalb des islamistischen Spektrums, wie zum Beispiel die türkische AKP, doch viele der einschlägigen Gruppen verstehen sich selbst ausdrücklich als antinationalistisch. Sie geben vor, den Nationalstaat ebenso wie nationale Identitäten hinter sich lassen zu wollen, zugunsten einer transnationalen religiösen Gemeinschaft. Auch der IS reklamiert für sich dieses Überwindungsnarrativ.

Dennoch wäre es kurzsichtig, programmatische Selbstbeschreibungen mit politischer Realität gleichzusetzen. Ungeachtet aller Beteuerungen, die Nation hinter sich lassen zu wollen, sind sämtliche gegenwärtigen »islamischen Staaten« de facto bürgerliche Nationalstaaten. Das Versprechen, eine tatsächlich eigenständige, von westlichen Mustern grundlegend verschiedene »islamische« Ordnung zu errichten, wurde nie eingelöst.

Anders als die präkolonialen islamischen Herrschaftsformen agieren Staaten wie der Iran, Afghanistan und Syrien innerhalb fester Landesgrenzen und verfolgen geopolitisch primär ihre eigenen Interessen statt die einer vermeintlichen religiösen Weltgemeinschaft. Das ist auch nicht verwunderlich, da in unserem derzeitigen globalen kapitalistischen Gefüge eine andere prämoderne Herrschaftsform nicht lebensfähig wäre. Sie haben das Paradigma des kolonialen westlichen Staates akzeptiert und islamisch reinterpretiert.

> »Während westliche Akteure LGBTIQ-Rechte für sich reklamieren, wird Queerness in der islamisch-nationalistischen Erzählung zum Chiffre für westliche Dekadenz und kulturelle Fremdbestimmung und dient als negativer Abgrenzungsmarker.«

Diese Ansicht teilt auch der syrische Historiker Aziz al-Azmeh. Al-Azmeh betrachtet islamischen Nationalismus als Reinkarnation früherer säkularer Nationalismen, etwa des arabischen. Und auch die Geschichte des IS und seines selbsternannten Kalifats bildet hier keine Ausnahme. Dessen Ideologie speist sich aus den bereits genannten gleichen Modulen wie der säkulare Nationalismus: Populismus, Romantik, Vitalismus. Die Gesellschaft wird als natürlicher Organismus begriffen, der über einen zeitlosen Wesenskern verfügt. Ein Wesen, das durch äußere Einflüsse und die Dekadenz der Moderne korrumpiert worden sei.

Doch die Verwandtschaft erschöpft sich nicht allein im Ideologischen. Die Führungsriege des IS rekrutierte sich in erster Linie aus ehemaligen Anhängern von Saddam Husseins arabisch-nationalistischer Ba'ath-Partei. Die Religion fungiert nach al-Azmeh dabei vor allem als »Emblem«. Ein Knotenpunkt für Massenmobilisierung und als Mittel zur Definition der eigenen Volksgemeinschaft. Der Islam, je nach Gruppe auch eine bestimmte konfessionelle Ausprägung, dient als identitätsstiftender Marker und Instrument der Homogenisierung.

Zwar verzichtet der islamische Nationalismus anders als seine weiß-nationalistischen Pendants meist auf biologistische Rassekonzepte oder lehnt diese sogar formell ab, jedoch werden ethnische und religiöse Minderheiten wie Ezidinnen, Kurden, Alawitinnen und Drusen de facto rassifiziert, wie derzeit in Syrien. Und selbst wenn wäre dies nur in erster Linie ein Unterschied in Emblematik und Symbolsprache. Die Mythologie variiert, die grundlegenden Mechanismen und Strukturen jedoch bleiben weitgehend identisch. Weißer und islamischer Nationalismus sind demnach keine Zwillinge – aber sehr wohl Geschwister.

Und nicht nur in ihrer Funktionslogik ähneln sie sich, sondern auch in der Bestimmung des Feindes: Zu Außenseitern und Volksfeinden werden dieselben Gruppen erklärt, ethnische und religiöse Minderheiten, die politische Linke, Feminismus und die LGBTIQ-Community. 

### **Rechte Queerfeindlichkeit und Radikalisierung**

Queerness als Überbegriff steht im Widerspruch zur rechten Vorstellung eines gesunden Volkskörpers aus gleich mehreren Gründen: zum einen, weil Homosexualität dem Ideal des vitalen Mannes, der die Stärke der Nation in sich trägt und repräsentiert, widerspricht. Letzterer gilt als stark, aggressiv, dominant und zeugungsfähig. Gleichgeschlechtlicher Sex unter Männern wird hingegen mit Sanftheit, Schwäche und Femininität assoziiert. Der Fokus liegt hierbei vor allem auf männlicher Homosexualität, die als effeminierend wahrgenommen wird, daher das Ideal des vitalen Mannes zersetzt. 

Hinzu kommt, dass Identitäten, die außerhalb der binären Geschlechterordnung liegen, sich der heteronormativen Fortpflanzungslogik entziehen. Sie destabilisieren die scheinbar natürlichen Rollen von Mann und Frau und untergraben die eindeutige Zuordnung von Geschlecht und Begehren. Daher werden sie nicht allein als anders, sondern als tatsächliche Bedrohung wahrgenommen. 

Nationalismen sind von Natur aus misogyn, die selbstbestimmte Sexualität von Frauen wird stets problematisiert, da sie sich der patriarchalen Reproduktionsordnung entzieht. Umgekehrt wird queere Kultur seit einigen Jahrzehnten zunehmend als Ausdruck eines anti-patriarchalen Lebensstils verstanden und mit feministischen Kämpfen verbunden. 

> »Auch wenn gleichgeschlechtlicher Sex unter Männern gemäß der religiösen Orthodoxie seit jeher als sündhaft galt, so ist die Homoerotik der islamischen Geschichte alles andere als fremd.«

Im islamischen Nationalismus spielen religiöse Gebote und Normen zwar durchaus eine Rolle, doch moderne Queerfeindlichkeit lässt sich nicht auf den Inhalt religiöser Texte reduzieren. Stattdessen kommt ein zivilisatorischer Aspekt hinzu. Das »Islamische« wird als Gegensatz zum »Westlichen« definiert. Während westliche Akteure LGBTIQ-Rechte für sich reklamieren, wird Queerness in der islamisch-nationalistischen Erzählung zum Chiffre für westliche Dekadenz und kulturelle Fremdbestimmung und dient als negativer Abgrenzungsmarker.

Diese Eigenwahrnehmung muslimischer Kultur ist jedoch relativ neu. Auch wenn gleichgeschlechtlicher Sex unter Männern gemäß der religiösen Orthodoxie seit jeher als sündhaft galt, so ist die Homoerotik der islamischen Geschichte alles andere als fremd. Tatsächlich war die westliche Wahrnehmung der islamischen Welt zu Zeiten des Kolonialismus jene einer sexuell amoralischen Gesellschaft. Der Orient war aus westlicher Perspektive ein Ort der Dekadenz, moralischer Empörung aber auch der voyeuristischen Faszination. 

Nicht zuletzt die im Westen häufig missverstandene homoerotische Poesie trug zu diesem Bild bei. Der Islamwissenschaftler Thomas Bauer sieht den Ursprung der modernen Homophobie in mehrheitlich muslimischen Ländern vor allem in einem viktorianischen Moralverständnis und Männerbild. Die muslimische Dekadenz und sexuelle Amoral wurde von westlichen Kolonisatoren als degenerierende Gefahr wahrgenommen und pathologisiert und war Rechtfertigung für das koloniale Zivilisierungsprojekt. Um dieser kolonialen Zuschreibung zu entkommen und um politische Legitimität zu gewinnen, verinnerlichten postkoloniale Nationalismen diese moralischen Maßstäbe, die zuvor mit Gewalt durch die Kolonisatoren in den Gesellschaften eingeschrieben worden waren. Das führte auch letzten Endes zu einer Zensur des eigenen Erbes und der recht ironischen Entwicklung, dass Homosexualität und Queerness nun als »westlicher Import« wahrgenommen wird. 

> »Weißer und islamischer Nationalismus rekrutieren vorwiegend aus derselben demographischen Gruppe: Jugendliche. Junge Männer, denen das Patriarchat die Welt versprochen hat.«

Diese historische Ironie ändert jedoch nichts daran, dass die heutige Queerfeindlichkeit weniger aus theologischer Überzeugung als aus einer tiefgreifenden Krise der Männlichkeit resultiert – einer Leere, die diese rechten Ideologien gezielt füllen. Wenn sich, wie jüngst in Berlin, junge Neonazis mit migrantischen Jugendlichen zusammentun und Treffen mit schwulen Männern vereinbaren um sie auszurauben und zu misshandeln, deutet das vielleicht sogar daraufhin, dass sich im westlichen Kontext eine neue rechte Querfront bildet. Die antifeministische, misogyne »Manosphere« zeigt diese Tendenzen bereits seit langem, indem sie trotz einer dezidiert reaktionär-rechten Ausrichtung unterschiedlich rassifizierte Influencer zelebriert und innerhalb derer Andrew Tate vom Islamfeind zum bekennenden Muslim wurde. Auch die Biographie des Täters vom CSD zeigt dahingehend Auffälligkeiten.

Abdul B. wurde in Deutschland geboren entstammte einer schiitisch-libanesischen Familie. Seine Eltern ließen sich scheiden, als er etwa 14 Jahre alt war. Bereits in der Grundschule galt er als verhaltensauffällig. Später kam er auf eine Förderschule, verließ diese jedoch nach zehn Jahren ohne Abschluss. Er wandte sich zuerst der Kriminalität und schließlich sogenannten islamistischen Gruppen zu, konkret dem sunnitischen, dezidiert anti-schiitischen IS – das Resultat einer Radikalisierung im Westen. 

Weißer und islamischer Nationalismus rekrutieren vorwiegend aus derselben demographischen Gruppe: Jugendliche. Junge Männer, denen das Patriarchat die Welt versprochen hat. Ein Versprechen, das aufgrund von kapitalistischen Krisen – und bei migrantischen Männern zusätzlich noch aufgrund von Rassismus – nicht eingelöst werden kann. Die Ideologien liefern einfache Antworten auf Lebensfragen und persönliche Krisen. Vor allem liefern sie jedoch Schuldige – Frauen, Ausländer, oder queere Menschen. 

Und es sind exakt diese Opfer, die in den Fokus gerückt werden müssen. Islamischer Nationalismus bedroht im Alltag vor allem queere Menschen muslimischer Herkunft. Menschen, die oft vor genau dieser Gewalt fliehen mussten. Ihnen ist mit einer rassistischen Migrationsdebatte nicht geholfen, sondern sie sind dadurch gleich doppelter Diskriminierung ausgesetzt – auch in weißen queeren Räumen. Der weiße Nationalismus bedroht sie hierzulande ohnehin permanent, denn während sich islamischer Nationalismus im Westen auf terroristische Gewaltakte konzentriert, steht seinem weißen Pendant zusätzlich noch der Staatsapparat offen. So beobachten wir von Europa bis in die USA derzeit eine wachsende Kriminalisierung von queerer Kultur und insbesondere trans Personen. Der reduktive Charakter der Debatte macht die Erfahrung von mehrfach Marginalisierten unsichtbar und [droht nicht nur Loyalitäten von Betroffen, sondern auch ganze Communities zu spalten.](https://www.heistberlin.com/im-a-queer-arab-berliner-our-lives-are-not-political-weapons/?ref=jacobin.de) Diese Kämpfe gegen Hypernationalismus und Queerfeindlichkeit können daher nicht getrennt voneinander betrachtet werden.