20. März 2026
El Salvadors Präsident Nayib Bukele gibt sich als erfolgreicher Unternehmer mit Krypto-Affinität. Seine größte Innovation als Staatsmann ist es, Gefängniszellen für abgeschobene Migranten an die USA zu vermieten.

In El Salvadors Mega-Gefängnis in Tecoluca.
Das kleine El Salvador spielt seit Neuestem eine unverhältnismäßig große Rolle auf dem amerikanischen Kontinent. Seit Donald Trump wieder ins Weiße Haus eingezogen ist und einen ebenso rachsüchtigen wie rücksichtslosen Imperialismus verfolgt, hat sich Präsident Nayib Bukele, ein Ex-Werbefachmann und Kryptowährungsfan, als zuverlässiger Partner für Trumps Politik positioniert.
Die Beziehungen El Salvadors zu den Vereinigten Staaten sind seit Langem durch eine asymmetrische Integration in die US-geprägten Akkumulations- und Sicherheitsregime gekennzeichnet, vom Kalten Krieg über den »War on Drugs« bis zum »War on Terror«. In den 1980er Jahren wurde die Militärdiktatur in El Salvador mit riesigen militärischen und ökonomischen Hilfsleistungen gestützt. Dies ermöglichte es dem Regime, einen brutalen Feldzug gegen eine starke linke Rebellenbewegung zu führen.
Nach dem ausgehandelten Übergang zu einer liberalen Demokratie in den 1990er Jahren führten aufeinanderfolgende rechtsgerichtete Regierungen das Land durch eine neoliberale Umstrukturierung und in eine neue Einbindung in die globale Arbeitsteilung: El Salvador sollte vor allem billige Arbeitskräfte liefern, beispielsweise in Form von unterbezahlten Textilarbeitern für US-Marken im Inland oder als Quelle für kriminalisierte Wanderarbeiter in den untersten Segmenten der deindustrialisierten US-Wirtschaft.
»Bukele hat einige Bürgerrechte auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, Wahlkreise so manipuliert, dass Oppositionsparteien aus der Legislative verdrängt wurden und damit begonnen, ein beträchtliches Immobilienvermögen für seine Familie anzuhäufen.«
In den frühen 2000er Jahren nutzten diese Regierungen US-Unterstützung, um sogenannte Sicherheitsprogramme mit mano dura (eiserner Faust) gegen die aufkommenden Straßenbanden zu starten. Die Gangs entstanden unter den zahlreichen unzufriedenen Jugendlichen, die vom Entwicklungsmodell der Nachkriegszeit im Stich gelassen worden waren. Große Teile dieser illegalen Gruppen waren zuvor aus ihren US-amerikanischen Herkunftsorten deportiert worden – mit derselben Null-Toleranz-Logik, die ursprünglich schon zu ihrer Entstehung beigetragen hatte. Hinzu kamen Vertriebene aus den Aufstandsbekämpfungsaktionen der Vereinigten Staaten, die sich in den urbanen Zentren (und Gefängnissen) der USA als eine wachsende, rassistisch diskriminierte »Überschussbevölkerung« wiederfanden.
2003 entsandte El Salvador Truppen, um sich an der US-Invasion im Irak zu beteiligen. 2004 unterzeichnete es als erstes Land das Freihandelsabkommen zwischen Zentralamerika und der Dominikanischen Republik (CAFTA-DR). Ab dem Jahr 2005 fungierte das Land als Standort der von den USA finanzierten International Law Enforcement Academy (ILEA); 2006 wurde ein Anti-Terror-Gesetz nach Vorbild des US-amerikanischen Patriot Act verabschiedet.
Die Allianz der Präsidenten Trump und Bukele gibt dieser traditionellen Abhängigkeitsbeziehung eine neue politische Dimension, die wechselseitig verstärkt wird. Beide Politiker präsentieren sich als erfolgreiche Ex-Geschäftsleute und betrachten die Präsidentschaft als eine Art Familienbesitz. Sie teilen eine Vorliebe für Social Media, Kryptowährungen und die Kriminalisierung armer Bevölkerungsgruppen. Auch wenn dies in unterschiedlichem Ausmaß geschieht, profitieren beide von dieser Beziehung. So ist Bukele zu einem eifrigen Verbündeten in Trumps regionalem Kampf gegen mutmaßliche transnationale kriminelle oder terroristische Banden geworden.
Der 2019 gewählte Bukele pflegte schon mit der ersten Trump-Administration gute Kontakte. So wurde im September 2019 eine Vereinbarung unterzeichnet, mit der El Salvador als ein sogenannter »sicherer Drittstaat« eingestuft wurde und Asylsuchende aus den USA in das mittelamerikanische Land abgeschoben werden konnten.
Unter der folgenden US-Administration litten die Beziehungen, da Joe Biden wegen Korruptionsvorwürfen Sanktionen gegen einzelne Mitglieder des Kabinetts von Bukele verhängte und die Demokraten im Kongress angesichts der anhaltenden Kritik wegen Menschenrechtsverletzungen (begrenzte) Einschränkungen für US-Militärhilfen durchsetzten. Allerdings milderte die Biden-Regierung ihre Kritik an Bukeles antidemokratischem Kurs bald wieder ab, um weitere Abkommen zwischen El Salvador und China zu verhindern.
»Bukele verpachtet nicht nur Plätze in seinen Mega-Gefängnissen an das US Department of Homeland Security. Auch sind salvadorianische Flugplätze für US-Kampfflugzeuge geöffnet.«
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Hilary Goodfriend ist Postdoktorandin am Geografie-Institut der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko. Sie ist Mitglied des Redaktionskomitees des North American Congress on Latin America (NACLA), Redakteurin der Zeitschrift Latin American Perspectives und Contributing Editor bei Jacobin.