20. März 2026
Coupang ist die führende E-Commerce-Plattform von Südkorea, aber in den USA gemeldet. Und es nutzt seine Lobbymacht in Übersee, um der Rechenschaft für schwere Datenschutzverstöße und gefährliche Arbeitsbedingungen zu entgehen.

Coupang ist wie Amazon und Uber Eats in einem.
Coupang, eine an der New Yorker Börse gelistete E-Commerce-Plattform, hat in seinem Hauptmarkt Korea für Empörung gesorgt. Der Grund: Enthüllungen über massive Datenverstöße und unsichere Arbeitsbedingungen. Was bei dem multinationalen Unternehmen aus Südkorea vor sich geht, sollte über die Grenzen des Landes hinaus Aufmerksamkeit finden. Denn die Art und Weise, wie es sich seiner Verantwortung sowie der Aufsicht durch die Regulierungsbehörden entzieht und sich gegen Gewerkschaftsarbeit wehrt, sagt viel über die Zukunft globaler E-Commerce-Plattformen aus.
Coupang ist die südkoreanische Antwort auf Amazon und Uber Eats zugleich. Die von ihm begangenen Arbeitsrechtsverletzungen waren bereits 2021, als das Unternehmen an die New Yorker Börse ging, offensichtlich. Die letzten zwei Monate von 2025 haben die damals geäußerten Bedenken nun bestätigt: Im Dezember räumte Coupang einen massiven Datenschutzverstoß ein, von dem fast 34 Millionen Kundenkonten betroffen waren. Vermutlich wurden die Personalausweisnummern und Bankdaten von etwa drei Viertel der südkoreanischen Bevölkerung über zwanzig Jahren gestohlen.
Ebenfalls für Empörung sorgt die schlechte Behandlung der Coupang-Belegschaft. Allein im Jahr 2025 sind acht Angestellte der Plattform an den Folgen von Überarbeitung gestorben, beispielsweise an Hirnblutungen. Sechs von ihnen arbeiteten in der Nacht- oder Frühschicht.
»Die Leistung jedes Angestellten wird in Echtzeit über einen sogenannten Personal Digital Assistant gemessen, der immer mit sich geführt werden muss.«
Nachdem er die Korean American Harvard Business School abgebrochen hatte, gründete Bom Kim 2010 die Website Coupang. Auf ihr wurden zunächst Rabattgutscheine gehandelt. In den folgenden Jahren entwickelte sich das Unternehmen zu einer vollwertigen E-Commerce-Plattform mit mehr als hundert Logistikzentren. Coupang ahmte die frühe Expansionsphase von Amazon nach, von gnadenlosen Kampfpreisen bis hin zur aggressiven Ausschaltung der Konkurrenz. Das Unternehmen kontrolliert heute etwa ein Viertel des südkoreanischen E-Commerce-Marktes, der sich in den vergangenen zehn Jahren verzehnfacht hat und mittlerweile der fünftgrößte der Welt ist.
Die weitläufigen und dicht besiedelten urbanen Gebiete des Landes boten Coupang ideale Voraussetzungen für ein schnelles Wachstum. Die Plattform macht sich den berühmten 24/7-Lebensrhythmus der südkoreanischen Städte zu eigen: Expresslieferungen am frühen Morgen oder spät in der Nacht werden seit Langem als besonderer Service angeboten. Trotz des starken Umsatzwachstums leidet Coupang jedoch seit knapp vier Jahren unter unbeständiger Rentabilität, nachdem es 2022 – vor allem dank der aufgestauten Nachfrage während der Pandemie – seinen ersten Quartalsgewinn überhaupt erzielt hatte.
Coupang nutzt ebenso wie Amazon die prekäre Lage der Arbeiterschaft aus, um seine Marktanteile gegenüber der Konkurrenz in Online- und stationärem Handel auszubauen. Amazon und sein Klon haben die Arbeitsmärkte in den USA und Südkorea mit ihrer Praxis des »Employment at will« – also Arbeitsverhältnissen, die jederzeit gekündigt werden können – umgekrempelt. 2021 verließen jede Woche etwa 3 Prozent der Amazon-Stundenlöhner das Unternehmen; die jährliche Fluktuationsrate in der Belegschaft lag bei etwa 150 Prozent. Dennoch blieb Amazon einer der größten Arbeitgeber in den USA: Jeder 350. Amerikaner arbeitet für den Konzern.
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Kap Seol ist ein koreanischer Autor und Forscher und lebt in New York. Seine Artikel sind in unter anderem bei Labor Notes, In These Times und im Business Insider erschienen.