13.06.2021

Den Laden am Laufen halten

Der Dienstleistungssektor bündelt eine unüberschaubare Vielzahl von Berufsgruppen. JACOBIN hat Menschen aus verschiedenen Arbeitswelten getroffen und sich mit ihnen über ihren Job, ihr Leben und die Pandemie unterhalten. Ein Blick in die Kanalisation, den Leichenwagen und über die Supermarktkasse.

Maria ist ausgebildete Pflegerin. Mittlerweile hat sie außerdem ein Studium begonnen.

Maria ist ausgebildete Pflegerin. Mittlerweile hat sie außerdem ein Studium begonnen.

PORTRÄTS Jonas Junack Paul Lovis Wagner / Nick Jaussi.

»Wir haben alle einen kleinen Dachschaden«

Auf was für einer Station arbeitest Du?

Ich arbeite auf einer großen chirurgischen Intensivstation. Wobei wir seit Pandemiebeginn nicht mehr nur chirurgisch arbeiten, sondern auch internistisch, weil die Innere komplett mit Coronapatienten voll ist.

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Wie sieht Dein Arbeitstag aus?

Wir arbeiten in drei Schichten, also Früh-, Spät- und Nachtdienste. Der Nachtdienst ist mit über neun Stunden der längste. Jede Schicht hat so ihre Eigenheiten: Im Frühdienst wäscht man die Patienten zum Beispiel. Im Nachtdienst geht es hauptsächlich darum, die Patienten stabil zu halten. Es ist immer ein Kampf ums Leben. Und ich mache gerade sehr viele Nachtdienste.

Hast Du noch so etwas wie einen Schlafrhythmus?

Wenn man Vollzeit arbeitet, geht das eigentlich gar nicht. Bei uns ist es nicht so, dass man eine Woche Frühdienst macht und dann eine Woche spät, sondern es wird jeden Monat komplett neu durcheinandergewürfelt. Es gibt zwar die Regelung, dass zwischen zwei Diensten mindestens elf Stunden Pause sein müssen, aber auf einen festen Rhythmus kann sich der Körper trotzdem nicht einstellen. Man ist dann schon sehr platt und braucht viel länger für alles.

Seit wann arbeitest Du in der Pflege?

Ich bin seit über vier Jahren Krankenschwester. Aber da muss man eigentlich die drei Jahre Ausbildung noch mit dazu zählen – dann sind es über sieben Jahre. In der Zeit habe ich gesehen, wie sich die Situation von Jahr zu Jahr verschlechtert – nicht nur für das Pflegepersonal, sondern auch für die Ärztinnen und Ärzte. Alle arbeiten am Limit.

Gibt es Momente, in denen man denkt: »Ich pack das nicht mehr, ich schmeiß hin«?

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