13.06.2021

Die Roboter nehmen uns die Jobs nicht weg

Der Kapitalismus ist einfach schlecht darin, Arbeitsplätze zu schaffen. Ein Gespräch mit dem Wirtschaftshistoriker Aaron Benanav über die falschen Versprechen der Technologie.

Eine Zukunft ohne Knappheit lässt sich nicht automatisieren.

Eine Zukunft ohne Knappheit lässt sich nicht automatisieren.

ILLUSTRATION Paul Paetzel.

Interview mit Aaron Benanav geführt von Astrid Zimmermann

In der Debatte über die Automatisierung stehen sich zwei Positionen gegenüber: Die eine erblickt in ihr die Gefahr der Massenarbeitslosigkeit, die andere die utopische Verheißung unserer Befreiung von der Lohnarbeit. Du argumentierst, dass beide falsch liegen.

Mit einem liegen sie richtig: Heutzutage ist es schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. Das zeigt sich nicht nur an höheren Arbeitslosenquoten, sondern auch an der Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse und steigender ökonomischer Ungleichheit. Man muss den Automatisierungstheorien zugute halten, dass sie unsere Aufmerksamkeit auf dieses sehr reale Problem gelenkt haben. Aber sie missverstehen, wie es dazu kommt.

In Wahrheit schreitet die Automatisierung gegenwärtig langsamer voran als in der Vergangenheit. Das belegen die Wachstumsraten der Arbeitsproduktivität: Wenn Roboter tatsächlich menschliche Arbeit ersetzen würden, müssten diese schnell ansteigen – aber das tun sie nicht. Das Problem ist nicht, dass die Wirtschaft Arbeitsplätze schneller vernichtet als früher, sondern dass sie viel langsamer neue Arbeitsplätze schafft als früher. Und das liegt nicht an irgendeiner technologischen Innovation, sondern daran, dass die Wirtschaft stagniert.

Das Buch der linken Star-Ökonomin
Grace Blakeley auf Deutsch.

Dann hat das, was wir gerade erleben, seine Ursache nicht in technologischen Innovationen, sondern in ökonomischen Dynamiken, die dem Kapitalismus wesentlich sind?

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