15.09.2020

Die Zukunft II

Die ökologische Katastrophe liegt nicht in ferner Zukunft, sie umgibt uns schon jetzt. Doch um für eine lebenswerte Zukunft zu kämpfen, müssen wir verstehen, was uns bevorsteht. Mit dieser Ausgabe, wagen wir einen Blick in den Abgrund.

Könnten wir durch einen Tunnel laufen und in der Zeit reisen, würden wir es tun? Die Menschen in der Netflix-Serie Dark jedenfalls tun es, um die Atom-Apokalypse im Jahr 2020 noch abzuwenden. Doch auch sie können den Lauf der Dinge nicht aufhalten. Als die gelagerten Atomfässer in der fiktiven Kleinstadt Winden den GAU auslösen, ist das nicht nur eine Hommage an Tschernobyl. Genauso könnte es auch um die Klimakatastrophe gehen. Es ist eine mögliche Zukunft.

Wir wissen, dass bereits 1982 alles auf dem Tisch lag. Der Ölkonzern Exxon verbarg die Fakten seiner Studie, damit der fossile Kapitalismus überleben konnte – ein Verbrechen an der Menschheit. Nur leider können wir nicht in das Jahr 1982 zurück reisen und dort die heutigen Zahlen des CO2-Ausstoßes veröffentlichen. Selbst wenn, was hätte die Wahrheit bewirkt? Fakten alleine reichen nicht aus. Es ging um Interessen, und die falsche Seite hat sich unter’m Strich durchgesetzt.

Um zu verstehen, wie die kommende Apokalypse aussehen wird, müssen wir ihr ins Auge blicken. Das tun wir in dieser JACOBIN-Ausgabe, erzählerisch und in kleinen Schritten. Vermutlich wird weder – wie auf Netflix – jede deutsche Kleinstadt dem Erdboden gleichgemacht, noch werden wir uns plötzlich über die letzten Rationen Kidneybohnen die Rübe einschlagen. Selbst dann nicht, wenn im Norden das Meer das Flachland überspült und im Süden die Alpen-Almen Wüstengebirgen weichen, oder wenn Demokratien irgendwann durch Krisenstabskabinette ersetzt werden und der Ausnahmezustand zum Normalzustand wird. Es wird hier wahrscheinlich kein Mad Max oder Waterworld geben.

Die Vorstellung von der Zukunft als einem Stiefel, der uns unaufhörlich ins Gesicht tritt, ist zu simpel. Dystopien sind nicht nur eine kaufkräftige Marktnische für Hollywood, Buchverlage oder Autohändler. Am Ende sprechen sie uns gerade deshalb an, weil sie in uns das Gefühl herauskitzeln, dass die Dinge besser sein könnten und dass es davon abhängt, was wir tun. Es ist ein Hauch einer Chance.

Zwei Zukünfte

Brennende Wälder, schmelzende Eiskappen, Artensterben – die Aussichten sind düster. Doch eine andere Zukunft ist möglich. Wie diese aussehen könnte und wie wir dahin kommen, darum geht es in dieser Ausgabe. Jetzt abonnieren!

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