ABO
Das Online-Magazin von JACOBIN Deutschland

26. Januar 2026

Mit Grönlands Ressourcen lassen sich keine schnellen Profite machen

Grönland verfügt über riesige Rohstoffreserven, doch sie lassen sich nicht so leicht ausbeuten, wie Donald Trump vielleicht denkt. Ausländische Unternehmen würden längst in großem Stil abbauen, wären da nicht das raue Klima und die mangelnde Infrastruktur.

Unter Grönlands Eis und Stein schlummern verschiedenste Bodenschätze – doch wer ist bereit, die Minen, Straßen und Häfen zu bauen, um sie nutzbar zu machen?

Unter Grönlands Eis und Stein schlummern verschiedenste Bodenschätze – doch wer ist bereit, die Minen, Straßen und Häfen zu bauen, um sie nutzbar zu machen?

IMAGO / dts Nachrichtenagentur

Infolge des erneuten Säbelrasselns der USA über Grönland sind die natürlichen Ressourcen der riesigen Insel wieder Thema – ziemlich genau ein Jahr nachdem der damalige US-Sicherheitsberater Michael Waltz gesagt hatte: »Es geht um wichtige Mineralien. Es geht um natürliche Ressourcen.«

Grönland verfügt sowohl über fossile Brennstoffe als auch über bedeutende Mineralien. Vor Ort finden sich mindestens 25 der 34 Rohstoffe, die die Europäische Union als kritisch einstuft. Mit dem EU-Gesetz zu kritischen Rohstoffen aus dem Jahr 2024 soll die Versorgungssicherheit Europas mit diesen Rohstoffen verbessert werden. Sowohl US-Präsident Donald Trump als auch die EU wollen die Dominanz Chinas in diesem Bereich schwächen. Darüber hinaus wurden vor den Ost- und Westküsten Grönlands riesige Ölvorkommen entdeckt.

Der Wert dieser Ressourcen ist schwer einzuschätzen, da die Preise für Öl und kritische Rohstoffe stark schwanken. Wie bei Venezuelas Öl wird es auf jeden Fall viel Geld kosten, die Infrastruktur aufzubauen, die für den Abbau der natürlichen Ressourcen Grönlands nötig wäre. Bergbau- und fossile Brennstoffprojekte sind kapitalintensiv; sie erfordern große Vorabinvestitionen mit langen Vorlaufzeiten, bevor die Projekte Gewinne abwerfen.

»Überall auf der Welt können private Unternehmen öffentliche Infrastruktur wie Straßen und Häfen nutzen, um ihre Aktivitäten rentabel zu machen. In Grönland wären hingegen riesige Investitionen nötig, bevor die erste Ladung Mineralien oder das erste Barrel Öl gefördert werden könnte.«

Außerhalb der Hauptstadt Nuuk gibt es in Grönland fast keine Straßeninfrastruktur und nur wenige Tiefwasserhäfen für große Tanker und Containerschiffe. Überall auf der Welt können private Bergbau- und fossile Brennstoffunternehmen öffentliche Infrastruktur wie Straßen, Häfen, Stromerzeugung, Wohnraum und Fachkräfte nutzen, um ihre Aktivitäten rentabel zu machen. In Grönland wären hingegen riesige Investitionen nötig, bevor die erste Ladung Mineralien oder das erste Barrel Öl gefördert werden könnte.

So steht die lokale Regierung vor einem klassischen Dilemma: Soll sie multinationalen Privatkonzernen die Förderung überlassen und damit den Großteil der Einnahmen verlieren? Oder soll sie auf staatliche Kontrolle bestehen, im Gegenzug aber Schwierigkeiten bekommen, das notwendige Kapital und die staatlichen Kapazitäten für die Förderung aufzubringen?

Bergbau in Grönland

Dass Grönland immense Bodenschätze beherbergt, ist schon seit einiger Zeit bekannt. Im April 2025 strahlte der dänische Staatsfernsehsender DR eine Dokumentation aus, die aufzeigte, wie Dänemark jahrelang Gewinne aus einer Kryolith-Mine in Grönland abgezogen hat. Die Sendung hat zu einer veritablen politischen Krise geführt, da sie die von vielen vertretene Auffassung widerlegte, Grönland sei finanziell von Dänemark abhängig.

Tatsächlich sind Bodenschätze ein wichtiges, aber auch sensibles Thema in den Beziehungen Grönlands zum Rest der Welt. Seit Jahrzehnten versuchen ausländische Unternehmen, auf der Insel eine rentable Bergbauindustrie aufzubauen, bisher jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Entgegen den Behauptungen von Trump haben US-amerikanische Unternehmen schon seit langem die Möglichkeit, in den Bergbausektor Grönlands einzusteigen. Aufgrund der hohen Kapitalkosten und der extrem rauen klimatischen Bedingungen hat aber bislang kein Unternehmen mit kommerziellen Bergbauaktivitäten begonnen.

Grönlands Ministerin für natürliche Ressourcen, Naaja Nathanielsen, sagte 2025, sie wünsche sich den Bergbau als eine »sehr gute, stabile Ergänzung« zur Abhängigkeit des Landes von der alles dominierenden Fischereiindustrie. Doch 2021 hatte die sozialistische Regierung Grönlands unter der Partei Inuit Ataqatigiit den Uranabbau aus Umweltschutzgründen verboten. Das australische Unternehmen Energy Transitions Minerals (ETM) verklagte Grönland und Dänemark auf 76 Milliarden Kronen (gut 10 Milliarden Euro) Schadensersatz. Das entspricht fast dem Vierfachen des BIP Grönlands. Das Bergbauunternehmen gab an, durch die Einstellung seines Uranprojekts in Kuannersuit/Kvanefjeld um zukünftige Gewinne gebracht worden zu sein.

Die dänischen Gerichte haben die meisten Forderungen von ETM als unbegründet abgewiesen. Es gab Berichte, ETM könnte Insolvenz anmelden und damit möglicherweise die Zahlung der hohen Anwaltskosten umgehen. In einer Erklärung betonte ETM, seine Tochtergesellschaft GM sei »über ein Jahrzehnt lang in enger Zusammenarbeit mit der grönländischen und der dänischen Regierung in gutem Glauben tätig gewesen«. Beide Regierungen hätten GM genutzt, um Grönland als sicheren Standort für Bergbauinvestoren zu bewerben. Forschungsarbeiten aus dem Jahr 2025 bezeichnen das Verhalten des Unternehmens als »vorgetäuschte Opferrolle«. Dabei würden Konzerne sich selbst als Opfer unfairer Prozesse deklarieren oder positionieren, anstatt als die mächtigen, profitorientierten Akteure, die sie sind.

»2021 hat die sozialistische Regierung Grönlands unter der Partei Inuit Ataqatigiit den Uranabbau aus Umweltschutzgründen verboten.«

Bohrungen auf Grönland würden derweil auch Auswirkungen in Kopenhagen haben: Grönland hat ein Abkommen mit Dänemark über die Aufteilung der Bergbaugewinne. Im Rahmen der schrittweisen Autonomie-Übertragung von Dänemark an Grönland hat letzteres inzwischen das alleinige Eigentum an seinen natürlichen Ressourcen. Dänemark stellt jedoch einen jährlichen Pauschalzuschuss von 3,9 Milliarden Kronen (etwa die Hälfte des Staatshaushalts Grönlands) zur Unterstützung der lokalen Wirtschaft bereit, die überwiegend aus Fischerei besteht. Dänemark kann seinen Pauschalzuschuss um 50 Prozent der Bergbaugewinne kürzen, was im Wesentlichen bedeutet, dass die Bergbaugewinne bis zur Höhe des Pauschalzuschusses zu gleichen Teilen zwischen den beiden Ländern aufgeteilt werden.

Kürzlich hat das australisch-amerikanische Unternehmen Critical Metals die Baugenehmigung für ein dauerhaftes Büro für sein Tanbreez-Projekt erhalten, das seltene Minerale, darunter auch schwere seltene Erden, im Süden Grönlands fördern soll. Ebenso hat das Bergbauunternehmen Amaroq bekannt gegeben, die USA würden erwägen, über die US-Export-Import-Bank (EXIM) in seine Bergbauprojekte im Süden Grönlands zu investieren. Sollte dieser Staatskredit genehmigt werden, wäre dies tatsächlich Trumps erster Kredit für ein Bergbauprojekt im Ausland.

Macht statt Rohstoffe

Eine kürzlich erlassene Verordnung von Trump sieht 5 Milliarden US-Dollar für die Unterstützung von Bergbauprojekten vor, die für die nationale Sicherheit wichtig sind. Das zeigt, wie eng die Rohstoffindustrie und militärische Interessen miteinander verflochten sind.

Dennoch bleibt die Förderung fossiler Brennstoffe auf Grönland in der näheren Zukunft eher unwahrscheinlich. Eine Mehrheit im Parlament befürwortet das 2021 erlassene Verbot aus Umweltschutzgründen nach wie vor. Außerdem ist die Förderung fossiler Brennstoffe in Grönland angesichts der volatilen Öl- und Gaspreise sowie der klimatischen und infrastrukturellen Herausforderungen selbst im Falle einer vollständigen Übernahme durch die USA unwahrscheinlich.

Es gibt viele Gründe, warum die Trump-Regierung die Arktis dominieren möchte, nicht zuletzt, um ihre relative Machtposition gegenüber Russland und China zu stärken. Die Gewinnung natürlicher Ressourcen dürfte hingegen keine zentrale Rolle spielen. Darüber hinaus unterhalten die Vereinigten Staaten im Rahmen eines Verteidigungsabkommens mit Dänemark bereits Militärstützpunkte in Grönland. Somit ist es wahrscheinlicher, dass die jüngsten Forderungen der USA ein weiterer Schritt bei der Rückkehr zu imperialistischen Ambitionen ist.

Lukas Slothuus ist Postdoktorand an der Universität Sussex. Er beschäftigt sich mit der politischen Ökonomie von Klima und Energie.