13.09.2021

Liefern schlucken liefern schlucken

Die Monopolisierung des Buchmarkts setzt die literarische Vielfalt aufs Spiel.

In unseren Bücherregalen verbirgt sich hinter den verschiedenen Verlagssignets auf den Buchrücken nicht selten ein einziger Konzern.

In unseren Bücherregalen verbirgt sich hinter den verschiedenen Verlagssignets auf den Buchrücken nicht selten ein einziger Konzern.

Illustration: Mirko Röper.

»Jetzt also hören wir es wieder läuten, das Sterbeglöcklein für die Literatur.« Im Jahr 1968 veröffentlichte der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger in der von ihm gegründeten Zeitschrift Kursbuch einige »Gemeinplätze, die Neueste Literatur betreffend«. Der desaströse Zustand der Literatur, der Enzensberger zu dem Nachruf veranlasste, rührte aus seiner Sicht vom »Imperativ des Marktes« her: »Liefern schlucken liefern schlucken.«

Die Literatur, der im Zuge der 68er-Proteste ein emanzipatorischer Gehalt zugeschrieben wurde, war zugleich Teil einer »Bewusstseins-Industrie« geworden, die Bücher als massentaugliche Unterhaltungsware produzierte. Die dünnen rororo-Bändchen eroberten seit 1950 die entlegensten Leserschichten und die schmucken Ausgaben des Bertelsmann Leserings zogen in die kleinbürgerlichen Wohnstuben ein. In dieser Zeit wurde der Grundstein für einen konzentrierten Buchmarkt gelegt, der durch neue Unterhaltungstechnologien, elektronische Massenproduktion, wirtschaftlichen Aufschwung und gestiegene Konsumbedürfnisse geprägt war.

Denkt man an Literaturverlage, hat man für gewöhnlich Figuren wie Samuel Fischer, Carl Hanser, Ernst Rowohlt oder Peter Suhrkamp vor Augen. Vor allem Männer also, die ihre Verlage als Eigentümer mit starker paternalistischer Hand führten. Das ökonomische Geschick diente hier der Durchsetzung eines kulturellen Anliegens, wie Fischer beschreibt: »Der Verleger, als ein Mann, den es lockt, Arbeit und Geld an immaterielle Werte zu setzen, will Entdecker sein. Er will helfen, neue Werte ans Licht zu fördern, als organisierender Geschäftsmann neue Werte zu schaffen.«

Das Buch der linken Star-Ökonomin
Grace Blakeley auf Deutsch.

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