01.05.2020

Wer rettet die SPD vor sich selbst?

Die Wahl von Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken in den Parteivorsitz verlangsamt den Verfall der SPD. Aber kann sie ihn auch aufhalten?

Die SPD hat die gleichen Probleme wie die katholische Kirche. In ihrem Metier war sie mal die stärkste und größte Organisation – eine Macht, für die ihre Anhängerinnen und Anhänger Leib und Seele gaben. Heute bleiben Messen und Ortsversammlungen leer, kaum noch jemand glaubt an ihre Zukunftsversprechen. Die Formeln, die ihre Führungen verbreiten, wirken wie aus der Zeit gefallen. Es gibt allerdings einen – gewaltigen – Unterschied: Die katholische Kirche ist in der Krise, weil sie sich ihrer eigenen Modernisierung verweigert; die SPD ist in der Krise, weil sie ihre Grundprinzipien – das Ziel des demokratischen Sozialismus – aufgab und sich in die politische Leere modernisierte.

Das Schicksal der Sozialdemokratie beschäftigt viele – so auch mich. Vor mehr als zehn Jahren, 2009 um genau zu sein, verfasste ich ein Buch mit dem Titel Marktsozialdemokratie, das die Transformationen der SPD und ihrer britischen Schwesterpartei vergleichend analysierte. Meine Diagnose für die SPD lautete damals, dass die Modernisierung der industriellen Gesellschaft, die sie mit ihrer Politik zum Teil vorantrieb, langfristig zu einer Modernisierung ihrer Mitgliedschaft führte. Die traditionellen Arbeitermilieus lösten sich auf, das Verhältnis zu den Gewerkschaften schwächelte und die Sozial­demokratie wurde zu einer Volkspartei der gebildeten Mittelschichten, die immer weniger Alleinstellungsmerkmale trug und in der Politik entsprechend unterging.

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