04. Mai 2026
Rot ist die Farbe der Krise, Analyse und Korrektur. Willkommen zum Roten Mai 2026 im Literaturforum im Brecht-Haus – präsentiert von Jacobin.

Kuratiert von Sebastian Friedrich – präsentiert von Jacobin.
Im Roten Mai geht es an drei Abenden um Neuerscheinungen im Bereich politisches Sachbuch. Der Blick richtet sich weniger auf tagespolitische Ereignisse als vielmehr auf die übergeordneten Prozesse, die zeitdiagnostisch reflektiert werden.
Es geht um gesellschaftliche Dynamiken, Denkweisen und dringende Fragen der Gegenwart – in Kooperation mit Jacobin.
Location: Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestraße 125, 10115 Berlin.
Di. 05.05.2026, 20:00 bis 21:30
Buchvorstellung, Diskussion
Sven Beckert im Gespräch mit Ann-Kristin Tlusty
Mi. 06.05.2026, 20:00 bis 21:30
Buchvorstellung, Diskussion
Daniel Stähr im Gespräch mit Sebastian Friedrich
Do. 07.05.2026, 20:00 bis 21:30
Buchvorstellung, Diskussion
Christoph Sorg und Rabea Berfelde im Gespräch mit Nina Scholz
»Kapitalismus. Geschichte einer Weltrevolution« von Sven Beckert
Rowohlt, 2025, 1200 Seiten
Kaum ein Phänomen hat die Menschheitsgeschichte der letzten Jahrhunderte so geprägt wie der Kapitalismus – wie wir leben und arbeiten, wie wir über uns und andere denken, wie wir uns politisch organisieren. Der Historiker Sven Beckert erzählt in diesem monumentalen Werk die Geschichte dieses Wirtschaftssystems über die größtmögliche Dimension von Raum und Zeit hinweg. Statt den Kapitalismus, wie lange üblich, als europäisches Exportprodukt zu betrachten, erfasst er ihn in seiner internationalen Vernetzung. Arabische Kaufleute, indische Weber und versklavte Afrikaner auf karibischen Zuckerplantagen sind in seiner Darstellung ebenso zentral wie Amsterdamer Finanziers oder Stahlindustrielle im Saarland.
Beckert hat eine Globalgeschichte des Kapitalismus für das 21. Jahrhundert vorgelegt, sein Interesse gilt neben dem enormen Wachstum, den die kapitalistische Revolution ermöglicht hat, auch den Schattenseiten unseres Wirtschaftssystems: Imperialismus und Kolonialismus, globale Ungleichheit und Ausbeutung, die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen im Zeitalter der Klimakrise. Doch bilanziert Sven Beckert nicht lediglich die Soll- und Habenrechnungen des Kapitalismus, sondern entwirft ein Gesamtbild seiner Geschichte, das uns auch erlaubt, unsere Zukunft neu zu denken.
»Die neuen Propheten. Wie Ökonomen unsere Zukunft verspielen« von Daniel Stähr
S. Fischer Verlage, 2026, 336 Seiten
Der Ökonom Daniel Stähr legt eine fundierte Kritik an der Übermacht seiner eigenen Disziplin und deren Einfluss auf die Politik und unser Zusammenleben vor.
Ökonomen und Ökonominnen sitzen im Zentrum der Macht, beraten Regierungen und Unternehmen, lenken die Geschicke von Staaten und Institutionen. Ihr gigantischer Einfluss erstreckt sich von der Politik bis in unsere Privatsphäre, sie bestimmen die Höhe unseres Lohns und unser Match auf der Dating App. Ob in der Klimakatastrophe oder der Pandemie: Weltweit legen wir unser Vertrauen in eine faktenfreie Wissenschaft, die kein Konzept von Moral oder Gerechtigkeit kennt – und das kostet Menschenleben. Daniel Stähr legt eine überfällige Intervention aus den eigenen Reihen vor, die zeigt: Es könnte auch ganz anders sein.
»Creative Construction. Demokratische Planung im 21. Jahrhundert«
Brumaire Verlag, erscheint 2026
Herausgegeben von Jan Groos und Christoph Sorg, mit einem Vorwort von Kohei Saito und Beiträgen von: Audrey Laurin-Lamothe, Frédéric Legaul, Simon Tremblay-Pepin, Jakob Heyer, James Muldoon, Dougie Booth, Stefan Meretz, Simon Sutterlütti, Nick Dyer-Withefor, Evgeny Morozov, Rabea Berfelde, Philipp Möller, Samuel Decker, Gabriele Winker, Matthias Neuman, Eva von Redecker, Elena Hofferbert, Cédric Durand, Matthias Schmelze, Samia Zahra Mohammed, Simon Schaupp, Heide Lutosch, Nancy Fraser.
Sven Beckert
Sven Beckert ist Professor für Amerikanische Geschichte an der Harvard University. Er hat Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaften an der Universität Hamburg und der Columbia University in New York studiert. Im Jahr 2011 war er Guggenheim Fellow, 2022 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Sein Buch King Cotton (2014) wurde mit dem Bancroft-Preis und dem Philip Taft Award ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den Pulitzer-Preis. «Ein Meisterstück der neuen Globalgeschichte», urteilte die Süddeutsche Zeitung.
Rabea Berfelde
Dr. Rabea Berfelde ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet am Centre for Social Critique der Humboldt-Universität zu Berlin. Rabea arbeitet u.a. zu finanzialisierten Bodenökonomien in der Stadt und auf dem Land, und deren gemeinwohlorientierten Alternativen. Zusammen mit Dr. Jacob Blumenfeld leitet sie das von der Gerda Henkel Stiftung geförderte Forschungsprojekt „Socialisation in Theory and Practice. Democratising Access to Land and Energy“. Ihr Buch „Spaces of Urban Platformisation. Airbnb and Coworking in Berlin“ erscheint Ende Mai im Routledge Verlag.
Sebastian Friedrich
Sebastian Friedrich ist Freier Journalist und Autor u.a. für NDR, Panorama, Der Freitag. Zusammen mit Nils Schniederjann betreibt er den Newsletter und Podcast Über Rechts. Er ist Kurator der Veranstaltungsreihe Roter Mai im Literaturforum im Brecht-Haus.
Nina Scholz
Nina Scholz arbeitet als Journalistin mit Schwerpunkt auf Tech, Arbeit und Gewerkschaften und veröffentlicht u. a. bei Deutschlandfunk, Tagesspiegel und Freitag.
Christoph Sorg
Christoph Sorg ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt Universität zu Berlin. In seiner Promotion forschte er zu Widerstand gegen Schulden und verband dabei politische Ökonomie und soziale Bewegungsforschung. Seither setzt er sich weniger mit den Protestformen von sozialen Bewegungen und mehr mit ihren Utopien auseinander. Speziell forscht er dabei zu Theorien des Kapitalismus und Post-Kapitalismus und zur neuen Debatte um Wirtschaftsplanung in Zeiten von Digitalisierung und Klimakrise. In einem DFG Projekt zu diesem Thema theoretisiert er die Möglichkeiten wirtschaftlicher Planung in Marktwirtschaften.
Daniel Stähr
Daniel Stähr, geboren 1990 in Mecklenburg-Vorpommern, ist Ökonom, Essayist und freier Autor. An der FernUniversität in Hagen promoviert er zum Thema »Narrative Economics«. Regelmäßig erscheinen Beiträge von ihm bei »Deutschlandfunk Kultur«, in der »Zeit«, der »taz« oder der »FAS«. Bei S. FISCHER erschien zuletzt »Die Sprache des Kapitalismus« (2024, gemeinsam mit Simon Sahner), das mit dem Leserpreis des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises ausgezeichnet wurde. Daniel Stähr lebt in Frankfurt am Main.
Ann-Kristin Tlusty
Ann-Kristin Tlusty hat Kulturwissenschaft, Psychologie und Soziologie studiert und arbeitet seit 2018 als Redakteurin bei ZEIT ONLINE sowie als freie Autorin für Deutschlandfunk Kultur. Sie schreibt über soziale Ungerechtigkeiten, feministische Fragen und kulturelle Phänomene der Gegenwart. Zusammen mit Wolfgang M. Schmitt gab sie 2024 den Sammelband »Selbst schuld!« heraus.