17. Juli 2026
Vor 90 Jahren entfachte ein Putsch reaktionärer Militärs gegen die noch junge Republik den Spanischen Bürgerkrieg. Ohne die deutsche und italienische Unterstützung wäre den Spaniern der Sieg und die Diktatur General Francos wohl erspart geblieben.

Das spanische Guernica nach Angriffen der deutschen Legion Condor.
Am 17. Juli 1936 begann in Spanien der Putsch reaktionärer Generäle gegen die Republik, der schließlich in einen dreijährigen Bürgerkrieg übergehen sollte. In früheren Zeiten waren runde Jahrestage des Putsches für die bürgerlichen Medien immer ein Anlass, sich relativ ausführlich mit dem spanischen Bürgerkrieg zu befassen, der von Juli 1936 bis Ende März 1939 andauerte. In diesem Jahr scheint der Putsch Francisco Francos für die bürgerlichen Medien jedoch kaum ein Thema zu sein.
Befremdlich ist, dass auch weite Teile der Linken sich wenig zu interessieren scheinen. Es gibt kaum Publikationen und Fachkonferenzen zu diesem Thema sind ausgesprochen rar, obwohl es viel zu besprechen und weiter zu forschen gäbe. Zumal diese Geschichte uns auch für einige Debatten der Gegenwart immer noch viel zu sagen hat.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Spanien eines der rückständigsten Länder in Europa. Eine altersschwache Monarchie herrschte über das Land, die wichtigsten Pfeiler ihrer Macht waren die katholische Kirche und das von Aristokraten dominierte Offizierskorps.
Spanien war ein überwiegend agrarisches Land. Über 70 Prozent seiner erwerbstätigen Bevölkerung arbeiteten in der Landwirtschaft. Die ländliche Oberschicht schwelgte in ihrem Reichtum: 50.000 Großgrundbesitzer verfügten über die Hälfte der Fläche des spanischen Bodens. Die Mehrheit der Bevölkerung war bettelarm. Tagelöhner und Saisonarbeiter, die »Braceros«, fanden allenfalls fünf Monate im Jahr Arbeit. Die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung konnte weder lesen noch schreiben.
»Die überwältigende Mehrheit des Offizierskorps und die Gesamtheit der obersten Truppenführer stellten enragierte Monarchisten, Anhänger der Oligarchie, Widersacher jeglichen Fortschritts, Todfeinde der Revolution.«
Mit ihren 80.000 Geistlichen, Mönchen und Nonnen schien die Kirche noch den Geist des Mittelalters zu atmen. Ihre geistliche und weltliche Macht war beträchtlich. Unter der Monarchie hatte die Kirche das gesamte Bildungswesen fest im Griff. Sie zählte zu den größten Grundbesitzern im Land. Nicht minder bedeutend war ihr städtischer Grundbesitz. Mit ihren Industrie- und Bankbeteiligungen stellte sie einen beträchtlichen Wirtschaftsfaktor in den Banken wie in der Industrie dar.
Das Offizierskorps war ein Refugium für die Söhne der herrschenden Klassen. Deswegen gab es bei der spanischen Armee einen ungewöhnlich hohen Anteil an Offizieren im Verhältnis zu den Mannschaften. Auf zehn bis zwölf normale Soldaten kam ein Offizier. Unter der Monarchie gab es 15.000 Offiziere, darunter 800 Generäle. Die überwältigende Mehrheit des Offizierskorps und die Gesamtheit der obersten Truppenführer stellten enragierte Monarchisten, Anhänger der Oligarchie, Widersacher jeglichen Fortschritts, Todfeinde der Revolution.
Das Spanien des frühen 20. Jahrhunderts war eine konstitutionelle Monarchie – allerdings nicht in dem Sinne wie in England, wo der König eine weitgehend symbolische Rolle spielte. In der spanischen Variante der konstitutionellen Monarchie hatte der König große Machtbefugnisse. Er konnte ohne Rücksprache mit dem Parlament den Premierminister einsetzen oder absetzen.
Trotz der herrschenden autoritären Strukturen bekam das Regime die Untertanen nicht in den Griff. Immer wieder kam es zu massiven, auch gewalttätigen Protesten von Land- und Industriearbeitern. Selbst die Diktatur von Primo de Rivera (1923–30) bekam letztendlich die Bevölkerung nicht ganz in den Griff. In dem Land, das von sehr großen sozialen Gegensätzen geprägt war, entluden sich die Spannungen immer wieder in Streiks oder gewaltsamen Aufständen, die die Krone von der bewaffneten Polizei, der »Guardia Civil«, und dem Militär niederschlagen ließ.
»Die neue rechte Regierung unter Alejandro Lerroux setzte alle Reformansätze der Vorgängerregierung außer Kraft.«
Bei den Kommunalwahlen vom 12. April 1931 setzten sich mit überwältigender Mehrheit die republikanischen Parteien durch, woraufhin sich der König wenige Tage später zum Abdanken gezwungen sah und das Land verließ. Bei den Wahlen zum Parlament am 28. Juni 1931 bekamen die republikanischen Kräfte eine deutliche Mehrheit. Die Regierung versuchte Reformen der Besitzstruktur auf dem Land durchzuführen. Sie wollte die kirchliche Kontrolle über das Erziehungswesen brechen, versuchte den Militärhaushalt zu verringern und den aufgeblähten Offiziersapparat zu verkleinern.
Weil aber den Versprechungen keine Taten folgten, kam es vor allem bei den Landarbeitern zu heftigen Protesten, gegen die Guardia Civil und Militär sehr gewalttätig vorgingen. So verloren die republikanischen Parteien innerhalb von zwei Jahren viel von der Unterstützung im Volk, die sie 1931 an die Regierung getragen hatte. Ende 1933 kam es zu Neuwahlen, bei denen die rechten Kräfte deutlich gewannen.
Es folgte das »Bienio Negro«, die finsteren zwei Jahre. Die neue rechte Regierung unter Alejandro Lerroux setzte alle Reformansätze der Vorgängerregierung außer Kraft. Als es nach dem Regierungseintritt der ultrarechten CEDA zu einem Aufstand der Bergarbeiter in Asturien kam, ließ die Regierung diesen von Fremdenlegion und maurischen Söldnern unter dem Kommando von General Franco blutig niederschlagen. 3.000 Menschen fielen dem Terror zum Opfer. Tausende kamen ins Gefängnis.
Aber auch für Lerrouxs Rechtskoalition war die Rebellion von Asturien der Anfang vom Ende. In der Gesellschaft wurde das brutale Vorgehen Francos scharf verurteilt. Auch innerhalb der CEDA kam es zu Streit über die Härte der Vergeltungsmaßnahmen. Es kam zu einem Linksruck in der Gesellschaft. Im Januar 1936 bildete sich eine Volksfront aus der Republikanischen Linken mit verschiedenen Arbeiterparteien als Wahlbündnis.
Bei den Wahlen vom 16. Februar 1936 trug die Volksfront den Sieg davon. Für die konservativen Eliten war die Wahlniederlage ein tiefgreifender Einschnitt. Sie wähnten ihre Jahrhunderte alte Vormachtstellung dauerhaft in Gefahr. Bereits kurze Zeit später begannen im spanischen Offizierskorps Versammlungen, in denen es vor allem um ein Thema ging: Die Beseitigung der gewählten Regierung und ihre Ersetzung durch eine Militärdiktatur.
Der Putsch begann in Marokko. Am 17. Und 18. Juli gelang es den Putschisten, die spanische Kolonie vollständig unter Kontrolle zu bekommen. General Franco traf am Morgen des 19. Juli von den Kanaren kommend in Tetuan ein und verkündete den Kriegszustand. An nächsten Tag machten sich die Putschisten daran, das Festland unter ihre Kontrolle zu bringen. In Navarra, der traditionellen Hochburg der Karlisten, übernahmen die Truppen des führenden Putsch-Strategen General Mola die Macht.
Ihr größter Erfolg war ihr Sieg in Sevilla, das als Bollwerk der Arbeiterorganisationen galt. Dort gelang es Queipo de Llano, im Handstreich die Kontrolle über ein Infanterieregiment zu bekommen, dessen kommandierender Offizier eigentlich republiktreu war. Im anschließenden Massaker schlachteten die Sieger alleine in Sevilla 8.000 Arbeiterinnen und Arbeiter ab. Nach der »Säuberung« von Sevilla eroberten die Aufständischen innerhalb einer Woche Teile Andalusiens.
»Bei Kämpfen auf dem freien Feld waren die Milizen, da sie zumeist über keinerlei militärische Erfahrung verfügten, den militärisch geschulten Truppen der Nationalisten weit unterlegen.«
Anstatt alle republiktreuen Kräfte zu mobilisieren und die Arbeiter zu bewaffnen, spielte die Regierung in Madrid das Problem herunter. In einem Kommuniqué vom 18. Juli räumte sie zwar ein, dass »ein Teil der Armee« sich in Marokko erhoben habe. Gleichzeitig versicherte sie jedoch, dass sich »auf der Halbinsel niemand, absolut niemand einem so sinnlosen Unternehmen angeschlossen hat«. Nachrichten von Erhebungen der Putschisten in Malaga und Sevilla wurden von der Regierung dementiert. Lange zögerte die Regierung die Ausgabe von Waffen an die Gewerkschaften und die politischen Organisationen der Linken hinaus.
In der Hauptstadt Madrid war die Montana-Kaserne die Hauptfeste der Rebellen. Dort hielt sich General Fanjul, der militärische Leiter der Verschwörer, mit seinen Truppen auf. Fanjul rief zwar den Ausnahmezustand aus, unternahm aber nichts, um die Stadt zu besetzen, sondern blieb in der Kaserne. Als sich vor der Kaserne immer mehr Menschen versammelten, die in der Zwischenzeit von der Regierung Waffen erhalten hatten, ließ Fanjul am 19. Juli abends in die Menge schießen. Die Lage eskalierte, und am nächsten Tag wurde die Garnison gestürmt. Die putschenden Offiziere, unter ihnen auch der General, wurden gefangen genommen.
Ihre größte Niederlage erlitten die Putschisten in Barcelona, der Hochburg der anarchistischen Bewegung. Dort befahl General Manuel Goded der Garnison, am Morgen des 19. Juli die Stadt zu besetzen. Als die Truppen von den Kasernen ins Zentrum der Stadt marschierten, stellten sich ihnen Tausende von schlecht bewaffneten, aber von unglaublicher Opferbereitschaft beseelten Anarchisten in den Weg und stürzten sich ohne Rücksicht auf Verluste in den Kampf. Als sich ihnen am Nachmittag 4.000 Berufssoldaten anschlossen und an mehreren Stellen republiktreue Soldaten gegen ihre Offiziere meuterten, wendete sich das Blatt. Am 20. Juli kapitulierte General Goded.
In weiten Teilen des Landes scheiterten die Aufstandsversuche der Militärs. In den baskischen Provinzen kamen die Putschisten ebenso wenig voran wie in Kantabrien. Die Garnison im kantabrischen Santander ließ sich vom Widerstand der Bevölkerung überraschen und einschließen. In Valencia erhob sich die Garnison nicht, schloss sich aber auch nicht der Revolution an.
Die Militärs siegten dort, wo die Arbeiterorganisationen den anfänglichen Täuschungsmanövern der Militärs glauben schenkten und auf deren energische Entwaffnung verzichteten. Hingegen hatten die Putschisten dort keinen Erfolg, wo es den Arbeitern gelang, sich zu bewaffnen und wo sie sofort daran gingen, den Militärapparat zu zerschlagen, ohne sich darum zu kümmern, was einzelne Offiziere beteuerten oder wozu sich die Amtswalter der »legitimen« Staatsgewalt entschlossen oder nicht entschlossen.
Ein schwerer Rückschlag für die Putschisten war, dass große Teile der Flotte, der in ihrem Plan eine Schlüsselrolle zugedacht war, den Putsch nicht mitmachten. Die Matrosen der spanischen Kriegsmarine hatten fast alle putschwilligen Offiziere erschossen und waren der Republik treu geblieben. Ihre Schiffe kontrollierten nun die Meerenge zwischen Nordafrika und Gebraltar. Franco saß also mit dem schlagkräftigsten Truppenteil, der Afrika-Armee, jenseits der Meerenge von Gibraltar in der Falle.
»Als im Oktober 1936 der Vormarsch der Nationalisten ins Stocken geriet, entschloss sich Hitler zu einer verstärkten Unterstützung Francos mit Luftwaffeneinheiten. Nun wurde die Legion Condor gebildet.«
Ende Juli/Anfang August hatten sich zwei weitgehend geschlossene Territorien, das republikanische und das nationalistische, herausgebildet. Im republikanischen Gebiet lebten etwa 60 Prozent der Bevölkerung. Es umfasste mit dem Baskenland und Katalonien die beiden einzigen Industrieregionen Spaniens. Demgegenüber kontrollierten die Putschisten mit Kastilien und Andalusien die wichtigen Agrarregionen. Was die Bewaffnung angeht, waren beide Seiten etwa gleich stark. Beide hatten kaum Flugzeuge. Die Republik verfügte über etwas mehr Kriegsschiffe. Franco hatte etwa 160.000 Soldaten, die Republik 150.000 – in der Mehrzahl Milizionäre.
Was militärische Erfahrung und Kampfstärke anbelangt, hatten die Putschisten klare Vorteile. Von den ursprünglich 9.000 Offizieren der Armee war nur ein Viertel loyal zur Republik geblieben und vom Rest waren viele unzuverlässig und warteten nur darauf, die Seite zu wechseln. Mit der 45.000 Mann starken Afrikaarmee (Fremdenlegion und marokkanische Söldner) verfügte Franco über eine schlagkräftige Elitetruppe, die gerade in den ersten Kriegsmonaten den entscheidenden Vorstoß von Andalusien über die Extremadura in Richtung Madrid trug.
Die Milizen hatten zwar in den Städten bei der Niederschlagung des Aufstands in Madrid oder Barcelona mit großer Hingabe und Opferbereitschaft gekämpft. Bei Kämpfen auf dem freien Feld waren sie, da sie zumeist über keinerlei militärische Erfahrung verfügten, den militärisch geschulten Truppen der Nationalisten jedoch weit unterlegen, bei Artilleriebeschuss und Luftangriffen gerieten sie in Panik. Zudem agierten die von den jeweiligen politischen Parteien und Gewerkschaften organisierten Milizen völlig unkoordiniert.
Sogar der Syndikalist und Führer einer Elitekolonne, Buenaventura Durruti, klagte: »Wir haben bis jetzt eine große Anzahl verschiedener Einheiten, von denen jede ihren Kommandeur, ihre Mannschaft, ihr Arsenal, ihren Tross, ihre eigene Verpflegungsorganisation, ihre eigene Politik gegenüber der Einwohnerschaft und recht häufig auch ihre eigene Vorstellung vom Krieg hat.«
Dank Vermittlung des in Spanien lebenden Geschäftsmanns und NSDAP-Mitglieds Johannes Bernhardt gelang es den Putschisten, direkten Kontakt zu Hitler und Göring aufzunehmen. Drei Tage später sagte Hitler seine Unterstützung zu. Dreißig Transportflugzeuge vom Typ JU 52 gingen unverzüglich nach Marokko ab. Es begann das »Unternehmen Feuerzauber«. Vom 28. Juli bis Oktober 1936 flog die erste Luftbrücke der Geschichte 13.528 Soldaten und 270 Tonnen Kriegsmaterial von Marokko über die Meerenge nach Spanien. Zudem sicherten die deutschen Panzerschiffe Admiral Scheer und Deutschland als Begleitschutz nationalistische Schiffe, die über die Straße von Gibraltar Truppen aus Spanisch-Westafrika nach Südspanien transportierten.
Hitler ging zunächst von einer Intervention auf niedrigem Niveau aus. Hitlerdeutschland lieferte bereits ab Ende Juli per Schiff Flugzeuge, Flugabwehrkanonen, Bomben und Munition an die Truppen Francos. Als im Oktober 1936 der Vormarsch der Nationalisten ins Stocken geriet, entschloss sich Hitler zu einer verstärkten Unterstützung Francos mit Luftwaffeneinheiten. Nun wurde die »Legion Condor« gebildet.
»Während die Mehrheit der britischen Bevölkerung mit der Republik sympathisierte, nahm die britische Oberschicht eine klare Klassenposition ein: Von Haus aus pflegte der englische Adel gute Beziehungen zum spanischen Adel und den spanischen Großgrundbesitzern.«
Wie Hitler ging auch Mussolini zunächst von einer relativ niedrigen Eskalationsstufe aus. Dennoch lieferte Italien bereits Ende Juli zwölf Transportflugzeuge, zwölf Aufklärer, zehn Jagdbomber und 3.000 Fliegerbomber. Nachdem Franco im November 1936 mit der Einnahme Madrids gescheitert war, beschloss Mussolini, mit einem Großaufgebot an regulären Truppen Präsenz zu zeigen. Im Dezember 1936 traf das erste italienische Expeditionsheer unter dem Kommando von General Mario Roatta ein. Die »Freiwilligenverbände« des Corpo Truppe Volontarie (CTV) erreichten bis April 1937 eine Truppenstärke von 80.000 Mann. Die Italiener sandten damit eine weitaus größere Anzahl an Personen und Material nach Spanien als jede andere Macht.
Frankreich und Großbritannien hingegen entschieden sich für eine Politik der Nichteinmischung. Letztendlich lief diese aber auf eine Begünstigung des Franco-Lagers hinaus. Bezeichnenderweise waren Deutschland und Italien Mitglieder des Londoner »Nichteinmischungsausschusses«. Sie sorgten dort durch Verzögerungsmanöver und Erfindung immer neuer bürokratischer Hürden dafür, dass eine Untersuchung ihrer eigenen Waffenlieferungen an Franco systematisch verhindert wurde.
Der Sozialist Leon Blum, der in Frankreich an der Spitze einer 1936 gewählten Volksfrontregierung stand, war zunächst durchaus bereit, der Bitte der spanischen Regierung um Waffenlieferungen nachzukommen. Schließlich gab es inhaltliche Gemeinsamkeiten zwischen der französischen und der spanischen Volksfront. Tatsächlich konnten im Juli auch einige Waffen die Grenze passieren. Allerdings gab es innerhalb der Regierung in Paris, von Seiten der Militärführung und der konservativen Opposition, zum Teil heftigen Widerstand dagegen. Insgesamt war die Haltung Frankreichs aber nicht so hart wie die von Großbritannien. Auch später drückten die französischen Behörden bei Waffenlieferungen über die französisch-spanische Grenze manchmal ein Auge zu.
Die britischen Regierungen, erst unter Stanley Baldwin und ab Mai 1937 unter Neville Chamberlain, waren streng antikommunistisch. Während die Mehrheit der britischen Bevölkerung mit der Republik sympathisierte, nahm die britische Oberschicht eine klare Klassenposition ein: Von Haus aus pflegte der englische Adel gute Beziehungen zum spanischen Adel und den spanischen Großgrundbesitzern. Die englischen Industriellen hatten massive wirtschaftliche Interessen in Spanien: Metallerzeugung im Baskenland, Kupferbergbau, Schiffsbau, Eisenbahngesellschaften, Banken und Versicherungen. Offiziell erklärte sich Außenminister Anthony Eden für neutral, im privaten Kreis ließ er aber keinen Zweifel daran, dass er einen Sieg Francos vorziehen würde.
Bis Ende Oktober gelang es Francos Elitetruppen, die dank deutscher und italienische Hilfe von Afrika auf das spanische Festland gebracht worden waren, bei ihrem blutigen Blitzvorstoß von Andalusien nach Madrid im Herbst 1936 das militärische Kräfteverhältnis entscheidend zu ihren Gunsten zu verändern. In dieser Zeit musste die Republik weitgehend ohne Lieferungen aus dem Ausland auskommen.
Ab Ende Oktober verstärkten Italien und Deutschland ihre militärische Unterstützung ganz beträchtlich. Dadurch konnte Franco den Rückschlag, den er bei seinem gescheiterten Angriff auf Madrid erlitt, ausgleichen. Die militärische Überlegenheit des nationalistischen Lagers wurde Zug um Zug immer drückender. Nicht zuletzt dank der deutschen und italienischen Unterstützung konnte Franco in dieser Zeit die im Juli erlittenen Rückschläge durch militärische Offensiven wettmachen, die ihm beträchtliche Geländegewinne einbrachten.
»Zumindest bis 1944 gingen die Hinrichtungen im großen Stil weiter, denen Zehntausende von Menschen zum Opfer fielen. In dieser Zeit wurden bis zu 500.000 Menschen in Konzentrationslagern und Gefängnissen unter völlig unerträglichen Bedingungen festgehalten.«
Insbesondere nachdem im November Franco bei seinem Versuch, Madrid zu erobern, gescheitert war, verstärkten Italien und Deutschland die militärische Unterstützung Francos erneut. Nazideutschland brachte die Legion Condor nach Spanien, die künftig in allen großen Schlachten zwischen der Republik und den faschistischen Kräften eine entscheidende Rolle spielen sollte. Und die Italiener entsandten ein 80.000 Soldaten starkes Expeditionskorps nach Spanien, das Anfang 1937 entscheidend an der Eroberung von Malaga beteiligt war.
Der massive Zustrom von Waffen und Sodaten aus Italien und Deutschland verschaffte den Truppen Francos jenes militärische Übergewicht, das sie in die Lage versetzte, die Republik in verlustreichen Zermürbungsschlachten niederzuringen. Als Francos Truppen schließlich am »Tag des Sieges«, dem 1. April 1939, in Madrid einzogen, war das nicht der Beginn eines Versöhnungsprozesses. Der siegreiche Franco-Staat war von einer »Kultur der Repression« geprägt. Zumindest bis 1944 gingen die Hinrichtungen im großen Stil weiter, denen Zehntausende von Menschen zum Opfer fielen. In dieser Zeit wurden bis zu 500.000 Menschen in Konzentrationslagern und Gefängnissen unter völlig unerträglichen Bedingungen festgehalten. Erst allmählich ging das Regime zu weniger terroristischen Methoden über. Für viele Spanierinnen und Spanier dauerte der Bürgerkrieg, der 1939 für beendet erklärt wurde, bis zum Tod des Diktators Franco im Jahr 1975 fort.
Paul Michel ist der Autor des Buches Krieg und Revolution: Ein kurze Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs, das kürzlich im Neuen ISP Verlag erschienen ist.