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06. März 2026

»Unser Ziel war es, für linke Projekte nützlich zu sein«

Aufgrund anhaltender ökonomischer Schwierigkeiten muss das Wiener Tagebuch seinen Betrieb einstellen. Im Gespräch erklärt Chefredakteur Benjamin Opratko, was das über die Zukunft linker Publizistik in Österreich verrät: nichts Gutes.

Benjamin Opratko war schon seit der ersten Ausgabe Redakteur und seit Oktober 2025 bis zur Einstellung der Zeitschrift Chefredakteur des Wiener Tagebuchs.

Benjamin Opratko war schon seit der ersten Ausgabe Redakteur und seit Oktober 2025 bis zur Einstellung der Zeitschrift Chefredakteur des Wiener Tagebuchs.

Christopher Glanzl

Das österreichische Tagebuch hat Anfang Februar seine Einstellung bekannt gegeben. Das Magazin wurde 2019 als bewusster Rückgriff auf das gleichnamige historische Forum der Linken gegründet und hatte den Anspruch, eine »Raumstation in Österreichs medialer Mondlandschaft« sein, wie Tagebuch-Redakteurin Jana Volkmann in der aktuellen Ausgabe schreibt. »Nun«, so heißt es seitens der Redaktion, sei ihnen »die Luft ausgegangen«.

Die Einstellung der Zeitschrift kommt an einem kritischen Moment in der österreichischen Innenpolitik. Erst vor knapp einem Jahr wurde Herbert Kickl, Chef der rechtsextremen FPÖ, beinahe Kanzler von Österreich. Die aktuell regierende Alternative dazu, eine Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS, nimmt die größten Sozialkürzungen seit Jahren vor. Mit dem Tagebuch verschwindet eine weitere linke Plattform, die diesen Entwicklungen eine Erzählung von links entgegensetzen hätte können.

Im Jacobin-Interview spricht Chefredakteur Benjamin Opratko, der von Beginn an Teil der Redaktion war, über die Gründe für das Aus der Zeitung, die Schwäche der österreichischen Linken und die Frage, ob und wie linke Politik heute überhaupt noch über bedrucktes Papier vermittelt werden kann.

Auch wenn schon länger klar war, dass die wirtschaftliche Situation des Tagebuchs schwierig ist, kam die Meldung zur Einstellung des Magazins für viele überraschend – warum ist es am Ende doch so schnell gegangen?

Das Tagebuch hat eigentlich nie die wirtschaftliche Stabilität erlangt, die es für ein halbwegs sorgenfreies Arbeiten gebraucht hätte. Dazu kam, dass wir seit zwei, drei Jahren merken, dass die allgemeinen ökonomischen Rahmenbedingungen schlecht sind. Aufgrund der hohen Inflation haben die Menschen begonnen, ihre regelmäßigen Ausgaben stärker zu überprüfen und dabei haben viele festgestellt, dass man auf ein Zeitungsabo verzichten kann.

»Unser Ziel war es, eine eklatante Lücke in der österreichischen Medienlandschaft zu schließen: Wir wollten ein ernsthaftes, professionell produziertes und selbstbewusst linkes Monatsmagazin etablieren.«

Wir haben in der zweiten Jahreshälfte 2025 viel für die Sichtbarkeit des Tagebuch getan, neue Formate probiert, einen Podcast gestartet und Veranstaltungen durchgeführt. Für eine echte Trendumkehr hätten wir einen längeren Atem gebraucht. Den hatten wir einfach nicht mehr, weil das ganze Projekt schon über einen längeren Zeitraum von sinkenden Verkaufs- und Abozahlen geplagt war.

Ihr habt euch mit der Neugründung der Zeitschrift vor sechs Jahren in eine Tradition gestellt – als Nachfolgeprojekt des Wiener Tagebuchs, das lange von der KPÖ getragen wurde. Was war die konkrete politische Vision, die ihr mit der Zeitung hattet?

Das Projekt war von Beginn an die politische Vision von Samuel Stuhlpfarrer. Er hat das Projekt gestartet und bis vor einem halben Jahr auch geleitet. Ich war Gründungsmitglied und am Ende als Chefredakteur der letzte Verbliebene der ursprünglichen Redaktion. Unser Ziel war es, eine eklatante Lücke in der österreichischen Medienlandschaft zu schließen: Wir wollten ein ernsthaftes, professionell produziertes und selbstbewusst linkes Monatsmagazin etablieren.

Dabei war unser Anspruch immer eine gewisse »Ökumene der Linken«. Das Tagebuch sollte keine Strömungszeitschrift sein, die ein enges parteipolitisches Projekt verfolgt, sondern ein Ort, an dem österreichische und internationale Debatten in einer gewissen Breite sichtbar werden. Wir wollten einen Diskursraum schaffen, der nicht nur Parteileute und »Die-Hard«-Aktivisten anspricht, sondern jenes intellektuelle kulturelle Umfeld bespielt, das eine linke Bewegung braucht.

Die Namenswahl war eine bewusste Verbeugung vor dem historischen Tagebuch der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dieses hatte sich bereits früh von einem dogmatischen KPÖ-Organ zu einem Sammelbecken für jene entwickelt, die einen unabhängigen, intellektuellen Weg für linke Politik suchten. Diesem Anspruch – auch für Menschen außerhalb fester Parteistrukturen attraktiv zu wirken – fühlten wir uns bei der Neugründung 2019 verpflichtet.

Mit der KPÖ und auch kurzzeitig mit dem Projekt Babler gab es einen kleinen Aufwind für die österreichische Linke. Konntet ihr daran andocken?

Dass mehr Menschen die KPÖ in Graz wählen, bedeutet leider nicht automatisch, dass sie auch ein linkes Monatsmagazin abonnieren. Aber der linke Aufwind der letzten Jahre hat schon eine Rolle für uns gespielt: Wir wollten diese Prozesse begleiten, dokumentieren und reflektieren. In unserer Arbeit haben wir zum Beispiel die Grenzen und Möglichkeiten von Andreas Bablers Projekt ausgelotet und auch die Entwicklungen der KPÖ in Graz und der Steiermark begleitet.

»Wir wollten das Blatt nicht zurück in den Schoß der KPÖ führen und noch weniger wollten wir uns bedingungslos der Revitalisierung der österreichischen Sozialdemokratie verschreiben.« 

Aber ich muss selbstkritisch sagen, dass es uns nicht gelungen ist, die soziale Mobilisierung, die diese Projekte erfolgreich gemacht hat, wirklich einzufangen. Wir haben es nicht geschafft, das Tagebuch als den logischen Ort für jene Menschen zu positionieren, die sich für Wahlkämpfe oder Parteiprojekte mobilisieren ließen. Die Zeitschrift wurde von ihnen nicht ausreichend als der Raum wahrgenommen, in dem entstehende Fragen verhandelt werden können oder man schlicht nach Inspiration und Debatte sucht.

Wie seid ihr eigentlich mit der Gratwanderung umgegangen, linken Parteien gleichzeitig nahe zu sein, aber trotzdem eine kritische Außenperspektive einzunehmen?

Die Balance zu halten, war natürlich manchmal eine Herausforderung. Unser Zugang war immer, als unabhängige Redaktion aufzutreten. Das heißt, wir wollten das Blatt nicht zurück in den Schoß der KPÖ führen und noch weniger wollten wir uns bedingungslos der Revitalisierung der österreichischen Sozialdemokratie verschreiben.

Ungeachtet persönlicher politischer Sympathien oder Nahverhältnisse war es unser Anspruch, eine kritische Distanz in der Gestaltung des Hefts zu wahren. Das ist uns in den meisten Fällen auch gut gelungen: Wir haben keine Jubelberichte verfasst und niemanden gezielt hoch- oder runtergeschrieben. Unser Ziel war es, für linke Projekte nützlich zu sein – auch wenn die Akteure innerhalb linker Parteien dies aufgrund unserer kritischen Außenposition nicht immer so wahrgenommen haben.

Es gibt dieses Phänomen in der Linken sehr schnell gekränkt zu sein, wenn jemand nicht exakt die eigene Meinung wiedergibt. Oft herrscht auch einfach die problematische Vorstellung vor, es sei unsolidarisch, wenn ein Medienprojekt oder eine Zeitschrift Kritik übt oder Entwicklungen negativ bewertet. Das finde ich emotional manchmal nachvollziehbar, aber trotzdem falsch. Parteien sind ja keine sympathische, selbstorganisierte Hippie-Gruppe, für deren bloße Existenz man bereits dankbar sein müsse.

Der österreichischen Verlags- und Medienlandschaft geht es gerade insgesamt nicht gut. Vor wenigen Wochen hat der Leykam-Verlag erklärt, künftig keine Belletristik, Kinderbücher und Pop-Sachbücher mehr zu verlegen. Der Verlag war in den letzten Jahren besonders für seine feministische Literatur bekannt. Ist das ein Zufall – oder erleben wir gerade, wie kritische Inhalte systematisch aus der österreichischen Publikationslandschaft verschwinden?

Ja, das ist ganz offensichtlich so. Viele Verlage und Zeitschriften in Österreich und in Deutschland teilen die ökonomischen Probleme des Tagebuch. Malmoe hat vor genau einem Jahr aufgehört, in Deutschland musste die Konkret ihre Print-Ausgabe einstellen, die taz gibt den Betrieb als Tageszeitung auf, das Neue Deutschland kämpft seit Jahren ums Überleben, und auch der Freitag steht unter Druck.

»Ökonomisch überleben am Ende oft nur jene Produkte, die von reichen oder superreichen Finanziers getragen werden.«

Das Kernproblem liegt darin, dass immer weniger Menschen Printprodukte lesen und zugleich – abgesehen von sehr kleinen Nischen – noch niemand einen Weg gefunden hat, mit der Veröffentlichung von Online-Texten tatsächlich Geld zu verdienen. Der Druck verschiebt sich dadurch zunehmend in Richtung anderer Formate: kürzere Texte, Videos oder eine Flut an Podcasts, die mittlerweile oft auch visuell aufbereitet sein müssen. In der Praxis läuft das oft darauf hinaus, dass ein paar Männer miteinander plaudern oder auf unterhaltsame Gimmicks gesetzt wird. Das mag legitim sein, entspricht aber nicht dem Wesen des Tagebuchs.

Diese Entwicklung bedroht letztlich die Vielfalt der veröffentlichten Meinung, die Qualität der Berichterstattung und die Tiefe der intellektuellen Auseinandersetzung. Ökonomisch überleben am Ende oft nur jene Produkte, die von reichen oder superreichen Finanziers getragen werden. Selbst Medien wie das altehrwürdige Magazin Profil in Österreich existieren nur noch, weil die Raiffeisenbank es sich leisten möchte – so lange, bis sie es sich eben nicht mehr leisten möchte.

Allein in den letzten zwei Jahren gab es Kündigungen in zahlreichen österreichischen Medienhäusern, vom Standard, über die Kronenzeitung bis zum Kurier oder Puls 24. Fällt dir in Österreich überhaupt ein privates Medium ein, das diesem Trend trotzen kann? Vielleicht dem Falter?

Ja, dem Falter ist es gelungen, eine Identität und ein Image für ein spezifisches Milieu – städtisch, urban, geprägt von Wiener Innenstadtbezirken und Montessori-Kindergärten – aufzubauen. Investigativ-Recherche, Restaurantkritiken und liberale Selbstgefälligkeit. Dass das in Österreich als links gilt, ist eigentlich niederschmetternd.

Aber man muss auch anerkennen: Der Falter hat sich für seine Leserinnen und Leser als unentbehrliches Lifestyle-Accessoire etabliert. Auch wenn das despektierlich klingen mag, müsste ein linkes Medienprojekt in Wirklichkeit eine ähnliche Wirkung erzielen. Es muss selbstverständlich sein, das Tagebuch oder Jacobin zu abonnieren und mit dem dazugehörigen Stoffbeutel herumzulaufen, weil es schlicht zum eigenen Lebensstil gehört. Wenn das der Preis für die Produktion wichtiger Inhalte ist, dann soll es so sein. Dieser Weg ist mir deutlich lieber als sich nur noch auf TikTok-Formate zu beschränken.

Am originalen Wiener Tagebuch wirkten zahlreiche Intellektuelle mit. Glaubst du, dass das aktuelle Scheitern auch damit zu tun hat, dass diese intellektuelle Landschaft in Österreich in den vergangenen Jahrzehnten dünner geworden ist?

Ich würde nicht behaupten, dass es kein intellektuelles Umfeld mehr gibt; es sind schlicht andere Leute – die intellektuelle Landschaft ist heute viel diverser, weiblicher und queerer. Das unterscheidet sich auf eine angenehme Weise von der Situation vor 50 Jahren. Wir haben in den letzten Monaten versucht, das Tagebuch für diese Einflüsse zu öffnen, mehr darauf geachtet, junge Autorinnen und Autoren zu veröffentlichen – etwa in der Ausgabe mit dem Schwerpunkt zu »Feindbild Transgender«. Ob das langfristig erfolgreich gewesen wäre, werden wir nicht mehr erfahren, doch ich bin in dieser Hinsicht weit weniger kulturpessimistisch als sonst.

»Unser Ziel war es, Raum für Auseinandersetzung und ästhetisch ansprechende Texte zu schaffen – Texte, für die man sich Zeit nehmen muss und die man nicht nebenbei auf einem Smartphone-Display liest.« 

Was mich eher umtreibt, ist die Frage, ob Intellektualität noch so sehr über das geschriebene Wort und die Art von Texten funktioniert, wie wir sie im Tagebuch zelebriert haben. Unser Ziel war es, Raum für Auseinandersetzung und ästhetisch ansprechende Texte zu schaffen – Texte, für die man sich Zeit nehmen muss und die man nicht nebenbei auf einem Smartphone-Display liest. Vielleicht ist dieser Zugang anachronistisch. Meine persönliche Lieblingszeitschrift, die London Review of Books, publiziert Texte, die um ein Vielfaches länger sind als unsere umfangreichsten Beiträge; eine reine Bleiwüste ohne Bilder. Das Lesen dort fühlt sich vielleicht manchmal wie Arbeit an, aber es zahlt sich aus und macht zumindest mir eine besondere Freude. Man gewinnt Erkenntnisse und die Zeitschrift nutzt die Freiheit, vermeintlich randständige Themen zu behandeln, die sonst nirgends stattfinden. Danach hat man das Gefühl, die Welt ein Stück besser zu verstehen. Genau das war auch unser Anspruch.

Der Zeitpunkt für das Ende des Tagebuchs könnte nicht ungünstiger sein: Die FPÖ steht in Umfragen aktuell bei über 35 Prozent. Findest du auch, dass die österreichische Linke dem gegenüber oft etwas paralysiert wirkt?

Ja, nur könnte man das in Wirklichkeit seit den 1990er Jahren schon sagen. Aber du hast recht, ich finde, die Atmosphäre im Land gerade auch sehr eigenartig. Man sieht den großen Crash auf sich zukommen, aber man hat sich schon fast damit arrangiert, dass er sich gar nicht mehr vermeiden lässt. Die Regierung tut alles, damit Herbert Kickl in ein paar Jahren ein saniertes Budget übernehmen kann. Aber eine Idee, wie man verhindern könnte, dass die FPÖ das nächste Mal als klarer Wahlsieger die nächste Regierung anführt, gibt es nicht. Ich glaube auch, dass eine Auseinandersetzung um das Fahrwasser der österreichischen Politik von links gerade besonders gut gebraucht werden könnte.

Wie bewertest du dazu etwa den Zugang der KPÖ?

Ich habe viel Sympathie für das Projekt, das die KPÖ gerade verfolgt. Ich verstehe, warum sie sagen, dass es keine Shortcuts gibt und man geduldig vor Ort aufbauen muss. Vielleicht ist das der richtige Weg, aber er ist gleichzeitig wahnsinnig unbefriedigend.

Ich bin tatsächlich allen Menschen wirklich dankbar, die sich das parteipolitische »Game« von links antun. Das gilt nicht nur für die KPÖ, sondern auch für Projekte wie LINKS sowie für linke Kräfte innerhalb der SPÖ. Wenn ich beide Augen zudrücke, dann sogar bei den Grünen. Es ist keine leichte Aufgabe; ich weiß, wie herausfordernd, undankbar und kräftezehrend diese Arbeit ist. Umso wichtiger ist es, dass auch kleine Erfolge, wie zuletzt der Einzug von Max Zirngast in den Gemeinderat in St. Pölten, gefeiert werden. Gleichzeitig drängt sich mir jedoch der Gedanke auf, dass uns schlicht die Zeit davonläuft.

»Als Liebhaberprojekt für eine Nische mag so etwas funktionieren, doch wer mit einem Medienprojekt politisch intervenieren will, muss sich auf die heutige Welt einlassen.«

Genau für eine solche Auseinandersetzung bräuchte es auch in Österreich mehr linke Medien.

Ich habe den Eindruck, eben diese Funktion linker Medien – nämlich öffentlichkeitswirksam zu kommentieren, Nachfragen zu stellen, Kritik zu formulieren – verlagert sich eher auf Einzelfiguren mit hoher individueller Social-Media-Reichweite. Das ist natürlich kein Österreich-spezifisches Phänomen, sondern international so. Aber es ist ein Problem.

Erstens agiert man damit in der Infrastruktur von Big Tech. Man ist maximal abhängig von Plattformen und Algorithmen, die existieren, um Geld zu machen, indem sie uns Werbung verkaufen und dabei unsere Gehirne frittieren. Und die starke Personalisierung macht uns abhängig von den Launen und Charakterzügen von Influencern, die nicht in irgendeine Form der gemeinsamen Diskussion und Reflexion eingebettet sind. Es gibt eben keine Redaktion, die sich regelmäßig zusammensetzt und überlegt: Machen wir das? Wen wollen wir zu Wort kommen lassen?

Gibt es irgendwas, das du aus den vergangenen sechs Jahren mitnimmst – auch zur Frage, wie ein ökonomisch tragfähiges linkes Medium aussehen könnte?

Man muss sich den veränderten Gewohnheiten der Medienkonsumenten stellen. Dass wir 2019 eine Printzeitschrift gegründet haben, wirkt rückblickend fast so, als würde man vor fünfzig Jahren Hufschmied werden in der Hoffnung, dass sich das Auto nicht durchsetzt. Als Liebhaberprojekt für eine Nische mag so etwas funktionieren, doch wer mit einem Medienprojekt politisch intervenieren will, muss sich auf die heutige Welt einlassen.

Es geht darum, sich zu überlegen, wie man ein Projekt so konzipiert, dass es von Beginn an verschiedene mediale Ebenen und die Dominanz der sozialen Medien integriert. Die meisten Zeitschriften, die schon lange gedruckt erscheinen, haben erst sukzessive entschieden, auch im Internet präsent zu sein: Erst wurden die Texte online gestellt, dann folgten Kacheln, Memes, Videos und Podcasts. Aber gedanklich hat man sich weiter am Produkt der Zeitung orientiert – auch bei mir, da ich aus der Welt des Papiers komme und diese schätze. Heute muss man ein solches Vorhaben wahrscheinlich umgekehrt aufziehen: als umfassendes Medienprojekt und nicht als eine Zeitung, die auch im Internet existiert. Aber ich bin halt auch Romantiker – irgendetwas in mir will auch, dass wir uns einfach hinsetzen, bedrucktes Papier lesen und dabei klüger werden.

Benjamin Opratko ist Politikwissenschaftler und Redakteur der in Wien erscheinenden Zeitschrift Tagebuch.