02. März 2026
Donald Trump hätte einen Deal mit dem Iran haben können, der weiter ging als der Barack Obamas. Doch die Verhandlungen waren nur ein Deckmantel für einen Angriff, den Kriegstreiber in den USA und Israel seit Jahrzehnten herbeisehnen.

Donald Trump trifft sich mit Beratern in seinem Resort Mar-a-Lago, nachdem er die Operation Epic Fury gegen den Iran gestartet hat, 28. Februar 2026.
Sie haben es also wirklich getan. Von all den dummen, sinnlosen Kriegen, die die Vereinigten Staaten im Nahen Osten angezettelt haben, könnte der am Wochenende gegen den Iran begonnene als der dümmste und sinnloseste in die Geschichte eingehen. Dies ist ein Krieg, der nicht hätte stattfinden müssen; selbst der Mann, der ihn führt, scheint nicht zu wissen, warum er ihn begonnen hat.
Natürlich war es Trump, der diesen Krieg begonnen hat. Trump der »Friedensstifter«, Trump der »Dealmaker-in-Chief«. Trump, dessen politischer Aufstieg darauf beruhte, George W. Bushs zerstörerischen Krieg gegen den Irak anzugreifen; der unablässig davor warnte, sein politischer Gegner würde einen Krieg mit dem Iran beginnen.
Sei es die Einschränkung der Meinungsfreiheit und Verschärfung der Internetzensur oder die rabiaten Kürzungen von Gesundheits- und Sozialleistungen oder die gestiegenen Lebenshaltungskosten – Trumps gesamte Vorgehensweise in dieser Amtszeit besteht darin, genau das Gegenteil von dem zu tun, was er den Menschen versprochen hat. Jetzt kann er dieser Liste noch hinzufügen, dass er die Vereinigten Staaten in einen weiteren blutigen Krieg im Nahen Osten verwickelt hat – der jüngste Stinkefinger gegenüber den Wählerinnen und Wählern, die vielleicht nicht alles mochten, was der Präsident gesagt oder vertreten hat, aber ernsthaft glaubten, dass er zumindest dieses eine Versprechen halten würde.
»Es gibt kein Universum, in dem dieser Krieg den Interessen der Vereinigten Staaten dient.«
Um es klar zu sagen: Die USA befinden sich in diesem Krieg, weil Trump entschlossen war, das Land um jeden Preis hineinzuziehen. Nur wenige Stunden bevor Trump den Krieg begann, enthüllte der Außenminister von Oman, der am Freitag die letzten Verhandlungen über ein Atomabkommen vermittelt hatte, die enormen Zugeständnisse, die die Iraner gemacht hatten: Sie hatten nicht nur zugestimmt, kein Uran zu lagern, was den Bau einer Bombe unmöglich macht, sondern auch, das derzeit vorhandene Uran zu verdünnen und einer vollständigen Überprüfung durch Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde zuzustimmen. Diese Zugeständnisse wären weit über das hinausgegangen, was Barack Obama in seinem Iran-Abkommen erreicht hatte, und gingen einher mit dem ausdrücklichen Versprechen, dass der Iran niemals Atomwaffen besitzen würde – etwas, das Irans politische Führung seit Jahrzehnten immer wiederbetont hat, auch in der vergangenen Woche.
Das spielte alles keine Rolle. Trump verbrachte die letzte Woche damit, Lügen zu erzählen, wonach die Iraner sich weigerten, dieses Versprechen abzugeben, und beklagte in einer seiner letzten öffentlichen Erklärungen vor Kriegsbeginn, dass sie sich in den Verhandlungen angeblich nicht weit genug bewegt hätten. Trump hätte ein Abkommen bekommen können, wenn er es gewollt hätte, und er hätte den Rest seines Lebens damit verbringen können, damit zu prahlen, dass es besser sei als das von Obama. Aber er wollte es nicht.
Es gibt kein Universum, in dem dieser Krieg den Interessen der Vereinigten Staaten dient. Das Leben Tausender US-Soldaten ist nun in Gefahr, während eine Reihe von US-Stützpunkten in benachbarten Golfstaaten bereits als Vergeltungsmaßnahme von iranischen Drohnen und Raketen angegriffen wurden, da der Krieg in weniger als einem halben Tag dramatisch eskaliert ist und die Nachbarstaaten mitgerissen hat. Es gibt Anzeichen dafür, dass der Iran seine Drohung wahr machen will, die Straße von Hormus zu sperren, durch die 20 Prozent des weltweiten Öls transportiert werden, was im besten Fall zu einem Anstieg der Verbraucherpreise, im schlimmsten Fall aber eine globale Rezessionauslösen könnte.
Und wozu das Ganze? Der umzingelte, isolierte und weit entfernte Iran stellt keine ernsthafte Bedrohung für die Amerikanerinnen und Amerikaner dar, die Ozeane entfernt leben und von einem Militär geschützt werden, dessen Budget etwa vierzigmal so hoch ist wie die kürzlich erhöhte Summe, die der Iran für seine eigenen Streitkräfte ausgibt. Jetzt, da der Krieg in vollem Gange ist, geben die Kriegsbefürworter sogar gerne zu, dass der Iran den USA nicht gefährlich werden kann. Aus genau diesem Grund sind die USA und Israel in den letzten zehn Jahren mit einem unprovozierten Angriff nach dem anderen auf das Land davongekommen und sahen sich nur inszenierten Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt. Diese waren bis zum letzten Jahr sorgfältig abgestimmt und angekündigt, um dem Regime das Gesicht zu wahren und gleichzeitig einen Krieg zu vermeiden, den es nicht führen wollte.
Der Iran hat keine Möglichkeit, das US-Festland ernsthaft zu bedrohen, egal wie oft Trump und seine Lakaien das Gegenteil behaupten, und er verfügt auch nicht über Massenvernichtungswaffen, die, genau wie bei George W. Bushs verlogenem Krieg im Irak, jetzt faul herangezogen werden, um diesen Krieg zu rechtfertigen. Tatsächlich ist der Iran nur das jüngste Beispiel in einer Reihe relativ schwacher Staaten ohne Massenvernichtungswaffen, die im 21. Jahrhundert ins Visier Washingtons geraten sind, darunter Afghanistan, Irak, Libyen und in jüngster Zeit Venezuela und Kuba – während die bis an die Zähne bewaffneten Nordkoreaner vor einem Angriff der USA sicher sind und Trump Liebesbriefe an ihren Anführer schreibt. Wie diese anderen Länder wird der Iran angegriffen, nicht weil er eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten ist, sondern weil er keine ist.
Aus diesem Grund haben Trump und alle anderen neokonservativen Kriegsbefürworter in diesem Jahr eine Begründung nach der anderen ausprobiert, um ihn zu rechtfertigen. Erinnert sich noch jemand daran, wie Trump im Januar sagte, dass die iranische Regierung gestürzt werden müsse, um die tapferen iranischen Zivilisten und Zivilistinnen zu schützen, die von ihrer Regierung getötet werden? Jetzt ist die Logik umgekehrt: Das US-Militär muss dieselben iranischen Zivilisten töten, um ihre Regierung zu stürzen.
»Der Iran wird angegriffen, nicht weil er eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten ist, sondern weil er keine ist.«
Und warum muss das iranische Regime gestürzt werden? Letztes Jahr war es sein Atomprogramm, das Trump, als er im vergangenen Juni zum ersten Mal einen Krieg mit dem Land begann, angeblich zerstört hatte. Letzten Monat waren es die nicht-nuklearen Waffen des Iran, nämlich seine Raketenbestände. In der vergangenen Woche schlug Trump wieder die Trommel für die nukleare Anreicherung als Kriegsgrund, bis er am Wochenende beschloss, dass er eigentlich versuchte, den Iranern Demokratie zu bringen – eine Aufgabe, die er schnell erledigte, indem er eine Grundschule bombardierte und fast hundert kleine Mädchen tötete.
Der Grund spielt keine Rolle, und Trump und der Rest der Kriegstreiberbande machen sich kaum die Mühe, so zu tun, als wäre er wichtig. Berichten zufolge fragte Trump vor zwei Wochen in einer hochrangigen Sicherheitssitzung seinen CIA-Direktor und den Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff nach ihrer Meinung zur allgemeinen US-Strategie im Iran. Er vergaß offenbar, dass es der Präsident ist, der die Strategie festlegt, und die Militärführung lediglich umsetzt. Mit anderen Worten: Trump hat keine Ahnung, was er hier eigentlich erreichen will, wie wir bereits an seinen wechselnden Begründungen, seiner schizophrenen Verhandlungsweise und der Tatsache, dass er bereits von »Ausstiegsmöglichkeiten« spricht, sehen können.
Wessen Interessen dient er also? Die offensichtliche Antwort lautet: einer kriegslüsternen israelischen Führung, die zunehmend unter dem Einfluss einer wahnsinnigen, neo-biblischen Fantasie steht, die Vereinigten Staaten dazu zu benutzen, den Nahen Osten niederzubrennen und alles, was übrig bleibt, zu annektieren. Wie CNN berichtete, wurde der Krieg am Vorabend des jüdischen Purim-Festes, das sich um eine biblische Geschichte über eine Bedrohung aus dem heutigen Iran dreht, begonnen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nahm in seiner Erklärung zu den Angriffen am Samstag ausführlich Bezug darauf.
Israelische Beamte teilten Reuters mit, dass Israel nicht nur seit Monaten an der Planung dieses Krieges beteiligt gewesen, sondern dass dieses symbolträchtige Datum für den Kriegsbeginn bereits vor Wochen festgelegt worden sei (eine Zeile, die seitdem auf mysteriöse Weise und ohne Erklärung aus dem Bericht gestrichen wurde). Wenn dies zutrifft, deutet es darauf hin, dass nicht nur die Diplomatie der USA in der vergangenen Woche eine Farce war, sondern dass es sich tatsächlich um einen Krieg Israels handelt, der an die Amerikaner ausgelagert wurde, damit diese für ihn kämpfen und sterben. Benjamin Netanjahu versucht seit mehr als dreißig Jahren, die Vereinigten Staaten in diesen Krieg zu verwickeln, auch als der kranke, dahinsiechende Joe Biden an der Macht war. Doch sein Wunsch ging erst in Erfüllung, als Trump sein Amt antrat, da er sich als noch größere Fußmatte für die Israelis erwies, auf dem sie sich die Schuhe abtreten konnten.
Angesichts des Todes von Ayatollah Khamenei und anderen hochrangigen iranischen Beamten wird Trump wahrscheinlich versuchen, hier einen schnellen Sieg zu erringen – vielleicht sogar, um sich aus dem von ihm begonnenen Krieg zurückzuziehen. Das könnte leichter gesagt als getan sein. Jedes andere von den USA geschaffene Machtvakuum im Nahen Osten ist in Bürgerkrieg und gesetzlose Anarchie ausgeartet, und selbst die CIA sagte voraus, dass auf Khamenei ein noch härteres Regime folgen würde, das von Mitgliedern der Islamischen Revolutionsgarde geführt wird.
»Benjamin Netanjahu versucht seit mehr als dreißig Jahren, die Vereinigten Staaten in diesen Krieg zu verwickeln. Doch sein Wunsch ging erst in Erfüllung, als Trump sein Amt antrat.«
Eine weitere Möglichkeit, nämlich der vollständige Zusammenbruch der iranischen Regierung, könnte zu einem noch größeren Chaos nach libyschem Vorbild führen, bei dem das Land zu einem Nährboden und sicheren Hafen für Kämpfer wird. In beiden Fällen stünden Trump und ganz Washington vor der Wahl, entweder die Vereinigten Staaten weiter zu involvieren und noch tiefere Verwicklung zu riskieren, um einen Übergang zu gewährleisten, der den Interessen der USA dient, oder sich einfach zurückzuziehen und die Dinge laufen zu lassen, was zukünftige Bedrohungen für US-Stützpunkte und Israel bedeuten könnte – und möglicherweise die Vereinigten Staaten ohnehin wieder hineinziehen würde. Trump hat diesen Krieg aufgrund des Erfolgs seiner Entführung von Nicolás Maduro begonnen, aber dies ist eine ganz andere Operation gegen ein ganz anderes Land.
Wir wissen nicht, was als Nächstes kommt, und Trump weiß es auch nicht, so sehr er auch hofft, dass er sich schnell und sauber aus den Ereignissen zurückziehen kann, die er in Gang gesetzt hat. Eines können wir jedoch mit Sicherheit sagen: Trump ist weit davon entfernt, die Geißel der Neocons zu sein, wie seine glühendsten Fans gehofft und geglaubt hatten. Trump ist der Neocon-in-Chief.
Branko Marcetic ist Redakteur bei JACOBIN und Autor des Buchs »Yesterday’s Man: The Case Against Joe Biden«. Er lebt in Chicago, Illinois.