14. März 2026
Die Vereinigten Arabischen Emirate ermöglichen nicht nur den Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Die repressiven Monarchien sind auch ein Knotenpunkt für Geldwäsche, Korruption und kapitalistische Ausbeutung.

Donald Trump besichtigt die Scheich-Zayed-Moschee in Abu Dhabi, VAE, 15. Mai 2025.
Am 23. September 2024 ernannte der damalige Präsident Joe Biden die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) zum »wichtigen Verteidigungspartner« der USA – ein symbolischer Titel, den zuvor lediglich Indieninnehatte. Die Ernennung erfolgte während eines Trips von Scheich Muhammad bin Zayid Al Nahyan (MBZ) in die USA – dem ersten derartigen Besuch eines Präsidenten der Emirate überhaupt. Am 16. Mai 2025 bekräftigte Donald Trumps Verteidigungsminister Pete Hegseth die Partnerschaft in der Hauptstadt der VAE, Abu Dhabi. Er unterzeichnete außerdem eine Absichtserklärung für umfassende und langfristige »bilaterale Einsatzbereitschaft, Interoperabilität und Innovation«.
Diese Partnerschaft mit den USA ist die wohl größte Errungenschaft von MBZ. Seine Familie Al Nahyan führt einen kleinen Staat in einer turbulenten Region und hat rund 40 Jahre damit verbracht, sich für das stärkste Sicherheitsnetz der Welt unentbehrlich zu machen: den US-amerikanischen militärisch-industriellen Komplex. Die Vereinbarungen garantieren im Wesentlichen, dass die VAE auf absehbare Zeit weiterhin US-amerikanische Stützpunkte beherbergen, an der Seite von US-Truppen kämpfen, entsprechende Ausbildung und Waffen erhalten und gemeinsam mit den Vereinigten Staaten die modernsten Hightech-Tötungsinstrumente entwickeln werden.
Die »beispiellose Zusammenarbeit« mit einer repressiven Monarchie offenbart nicht nur die wahre Natur des US-amerikanischen Imperiums (die freilich selten verborgen bleibt), sondern wirft auch ein Licht darauf, wie die Elite der Emirate sich selbst schützt und Wohlstand erlangt. Die VAE sind zweifellos ein »Knotenpunkt für Vernetzung und eine Säule der Sicherheit für mehrere Kontinente« – das gilt allerdings nur, wenn man im politischen »Doppeldenk« bleibt und sich auf globalisierte Ausbeutung und Militarismus bezieht.
Denn tatsächlich speist sich die Macht der Elite in den Emiraten aus ihrem Reichtum und den Kriegen, die sie ermöglicht. Im Ausland kooptiert sie westliche Politiker, Soldaten und kulturelle Institutionen und hilft gleichzeitig kriminellen Gruppen und russischen Oligarchen, westliche Sanktionen zu umgehen. Im Inland betreibt sie einen willkürlichen Überwachungsstaat und unterwirft Millionen von Arbeiterinnen und Arbeitern einer Form der modernen Sklaverei.
Die VAE sind ein relativ junger politischer Akteur. Sie sind ein Zusammenschluss von sieben Monarchien (Emiraten), der nach dem Rückzug der Briten aus ihrem Protektoratssystem am Golf 1971 entstanden ist. Jedes Emirat hat weiterhin eine Selbstverwaltung, wobei aber ein föderaler Staat nach und nach gemeinsame diplomatische, sicherheitspolitische und infrastrukturelle Aufgaben übernommen hat. Das ölreiche Abu Dhabi und das kosmopolitische Dubai dominieren die Machtstrukturen der Föderation, oft zum Nachteil der kleineren »Nordemirate« Adschman, Fudschaira, Ra’s al-Chaima, Schardscha und Umm al-Qaiwain. Die Königshäuser unterdrücken die Meinungsfreiheit gewaltsam und sieben sorgfältig aus, welche Bürger das (rein beratend tätige) Parlament wählen dürfen.
Doch die monarchische Herrschaft ist von existenzieller Unsicherheit geprägt: Die VAE nehmen eine strategische Lage in einer Region ein, in der Staaten und Imperien mit viel größeren Armeen – und dem Willen, diese einzusetzen – aktiv sind. Die inländischen Arbeitskräfte, Wasserressourcen und landwirtschaftlichen Erträge sind für eine hochentwickelte Wirtschaft völlig unzureichend. Die Königsfamilien müssen diffuse, personenorientierte Patronagenetzwerke aus ambitionierten Verwandten, mächtigen Kaufleuten und lokalen Stammesführern ausbalancieren. Nachdem sie nahezu 150 Jahre lang den britischen Handel im Austausch für relative Sicherheit begünstigt hatten, konnte diese oft zersplitterteStammeskonföderation nur überleben, indem formale staatliche Institutionen, zuverlässige Sicherheitsstrukturen und eine gemeinsame Integration in die entstehenden globalisierten Märkte geschaffen wurden.
»Um sich sowohl vor ihren Nachbarn als auch vor ihren Untertanen zu schützen, haben die Herrscherfamilien 50 Jahre lang daran gearbeitet, sich für den internationalen Handel und für die Kriegsführung unentbehrlich zu machen.«
Der Balanceakt zwischen der zentralen Hauptstadt Abu Dhabi und dem wirtschaftlich starken Dubai ist von entscheidender Bedeutung. Die derzeitige Stärke der VAE ist zu einem großen Teil auf die enge, jahrzehntelange Zusammenarbeit zwischen den Herrschern der beiden Emirate – MBZ von Abu Dhabi und Mohammed bin Raschid Al Maktum (MBR) von Dubai – zurückzuführen. Gleichzeitig sind sich die Herrscherfamilien Al Nahyan und Al Maktum bewusst, dass die relative Armut und Marginalisierung der nördlichen Emirate leicht zu Forderungen nach politischen Veränderungen führen könnte.
Die Erbmonarchen sahen daher die Notwendigkeit, einen »emiratischen« Staat und eine emiratische Identität zu schaffen, ohne dass eine wirklich partizipative Politik ihr Machtmonopol verwässern würde. Um sich sowohl vor ihren Nachbarn als auch vor ihren Untertanen zu schützen, haben die Herrscherfamilien 50 Jahre lang daran gearbeitet, sich für den internationalen Handel und für die Kriegsführung unentbehrlich zu machen.
MBR und sein Beraterstab waren Vorreiter für (und Profiteure von) Freihandelszonen wie dem Dubai International Financial Centre, Vorzeigemarken wie der Fluggesellschaft Emirates und prestigeträchtigen Attraktionen wie dem jährlichen Dubai Shopping Festival. Dubais DP World kontrolliert mittlerweile etwa zehn Prozent des weltweiten Containerverkehrs; der Dubai International Airport ist einer der verkehrsreichsten Flughäfen weltweit. Da auch Abu Dhabi und die anderen Emirate der Diversifizierung Dubais nacheifern, entstanden spezialisierte und miteinander verknüpfte Freihandelszonen in den VAE, die Skaleneffekte in den Bereichen Einzel- und Großhandel, Reexport, Logistik und Investitionen bieten.
Ausländische Unternehmen und Fachkräfte sind daher in Scharen in die Emirate gezogen; die niedrigen Arbeitskosten sind für Investoren zusätzlich attraktiv. Die rasante Industrialisierung und Vermögensbildung basiert auf moderner Sklaverei, namentlich dem Kafala-System der Golfstaaten: Arbeitgeber werben Migrantinnen und Migranten direkt an und sponsern ihre Einreise, halten sie dann aber in Unterkünften des Unternehmens oder Privathäusern regelrecht gefangen, indem Pässe einbehalten und exorbitante Vermittlungsgebühren verlangt werden, die abbezahlt werden müssen.
Die überwiegend aus Südasien stammenden Arbeitskräfte machen mehr als 80 Prozent der Bevölkerung der VAE aus. Diese Menschen ertragen Ausbeutung und Diskriminierung, um wichtige Geldüberweisungen in ihre Heimat zu tätigen. Doch selbst Polizeirazzien und Abschiebungen haben diese Arbeiterinnen und Arbeiter nicht davon abgehalten, sich zu organisieren und Rechte einzufordern – wohlgemerkt in einem Land, in dem Gewerkschaften illegal sind.
»Wie beim Kafala-System übertüncht die Regierung ihren Status als Zentrum für Schwarzgeld, indem sie auf bruchstückhafte, unzureichend durchgesetzte Finanzreformen verweist.«
Das Kafala-System ist ein wunder Punkt für das internationale Image der VAE. Doch die Emirate waren recht erfolgreich darin, ihre Kundschaft mit (unzureichenden und systematisch nicht durchgesetzten) Arbeitsrechtsreformen zu beschwichtigen. So wurde ein scheinheiliges »Ministerium für Toleranz und Koexistenz« geschaffen, während die Stimmen und Sichtbarkeit von Migrantinnen und Migranten aggressiv kontrolliert und unterdrückt werden. Abu Dhabis Insel Saadiyat (»Insel des Glücks«) ist ein Paradebeispiel: Dort dienten marginale Verbesserungen der Arbeitsbedingungen als Alibi für die New York University, das Guggenheim Museum und den Louvre, um vor Ort Zweigstellen zu eröffnen, obwohl weiterhin Pässe gestohlen und Vermittlungsgebühren eingetrieben werden.
Darüber hinaus schafft der Boom im Immobilien- und Bauwesen der Freihandelszonen in Kombination mit laxen Vorschriften einen sicheren Hafen für die Geldwäsche, die für die Globalisierung so wichtig ist. Westliche Krypto-Barone, postsowjetische Kleptokraten, afrikanische Schmuggler von Blutgold und diverse weitere Gangster, Betrüger und Folterer aus aller Welt haben in den VAE Zuflucht und Anonymität gefunden.
Da die Königsfamilie und Unternehmen der Emirate diese Korruption oft aktiv erleichtern, gibt es wohl nur wenige Gesellschaften weltweit, die nicht aus einem Penthouse in Dubai bestohlen wurden. Scheich Tahnoon bin Zayed Al Nahyan, der Bruder von MBZ und nationaler Sicherheitsberater der VAE, kümmert sich um die sensibelsten Transaktionen. Dazu gehören die Bezahlung von Hackern der US-amerikanischen National Security Agency, um heimische Dissidenten auszuspionieren, oder die Investition von 500 Millionen Dollar in das Kryptowährungsunternehmen der Familie Trump.
Wie beim Kafala-System übertüncht die Regierung ihren Status als Zentrum für Schwarzgeld, indem sie auf bruchstückhafte, unzureichend durchgesetzte Finanzreformen verweist. Unter US-amerikanischem Druckwurden zwar finanzielle Maßnahmen gegen Akteure wie Al-Qaida in den 2000er Jahren und gegen den Iran in den 2010ern Iran ergriffen. Als jedoch die einflussreiche Kontrollinstanz Financial Action Task Force (FATF) die VAE 2022 auf ihre »graue Liste« setzte, lobbyierten die USA und Europa nach nur zwei Jahren erfolgreich für die Streichung von der Geldwäscheliste. Es zeigt sich: Geldwäsche ist zu wichtig für den Einfluss der Emirate und das globale Kapital, als dass Interesse an echten Finanzreformen entstehen würde.
Andere Aktivitäten der Emirate sind deutlich blutiger. Im Zuge des Angriffs der Vereinigten Staaten und Israels am 28. Februar 2026 auf den Iran verdeutlichten die iranischen Vergeltungsschläge die transnationale militärische Präsenz der USA in der Region: Iranische Raketen und Drohnen fielen auf Israel, den Irak, Kuwait, Bahrain, Katar, Saudi-Arabien und die VAE. Allein die Emirate fingen 137 Raketen und 209 Drohnen ab, wobei allerdings Trümmer auf den Flughafen Dubai, den Hafen von Dschabal Ali sowie die Luxushotels Palm Jumeirah und Burj Al Arab herabregneten. Die Ursachen und der bisherige Verlauf dieses regionalen Kriegs können nicht verstanden werden, ohne die jahrzehntelange gegenseitige Unterstützung zwischen dem US-amerikanischen Militarismus und dem Monarchismus am Golf zu berücksichtigen.
Die VAE sind vermutlich der erfolgreichste der Golfstaaten im Wettlauf um den Kauf von Hightech-Waffen, die Modernisierung fragmentierter Stämme und dem Ziel, sich eine lokale Schutzmacht zu sichern. Schon früh erkannten die Führer der Emirate die wichtige Rolle des amerikanischen militärisch-industriellen Komplexes und boten ihm praktisch den Schlüssel zur Region an. Nachdem sie sich 1990 direkt von Saddam Hussein bedroht sahen, begannen die VAE, militärische Einrichtungen, Finanzmittel und Partnerschaften anzubieten, die die militärischen Kapazitäten der USA im Nahen Osten erheblich stärkten – genau zu dem Zeitpunkt, als Washington sich verstärkt zur »Weltpolizei« aufschwang.
»In den 2010er Jahren ermöglichte MBZs Erfolg mit dieser staatszentrierten, global vernetzten Militarisierung es, die Ideologie und die Interessen der autokratischen Herrschaft der Emirate aggressiver zu verfolgen.«
So öffneten die VAE Abu Dhabis Al-Dhafra Air Base für die US-Luftwaffe (tausende Soldatinnen und Soldaten sind dort dauerhaft stationiert) und Dubais Tiefwasserhafen Dschabal Ali für die amerikanische Marine. Dschabal Ali ist heute der verkehrsreichste internationale Anlaufhafen der US Navy. Darüber hinaus finanzierten die VAE den modernen F-16 Block 60-Kampfjet von Lockheed Martin und begannen, mehrere dutzend Milliarden Dollar für amerikanische und französische Waffen auszugeben, darunter hochpreisige Kampfmittel wie Reaper-Drohnen, Black Hawks sowie die Luftabwehrsysteme Patriot und Terminal High Altitude Area Defense (THAAD), die in den vergangenen Tagen hunderte iranische Raketen abgeschossen haben. Gleichzeitig sammelten die Streitkräfte der Emirate selbst operative Erfahrungen und bauten wichtige Beziehungen zu US-amerikanischem sowie NATO-Personal im Golfkrieg (1990–91), in Somalia (1993–95), im Kosovo (1999–2001) und in Afghanistan (2001–2021) auf.
Dubais Finanznetzwerke mögen sowohl den Taliban als auch Stellvertreter-Regierungen der USA bei der Geldwäsche geholfen haben, doch die vielschichtigen Investitionen der VAE in Afghanistan verschafften ihnen bei westlichen Beamten den Ruf, der professionellste und zuverlässigste arabische Partner des Westens zu sein. In Afghanistan (und anderswo) verfeinerten die VAE ihre Fähigkeit, »harte« mit »weicher« Machtausübung zu kombinieren: Während F-16-Kampfflugzeuge und Spezialeinheiten an komplexen Militäroperationen teilnehmen, führt das Land raffinierte PR-Kampagnen durch, stellt Wiederaufbaugelder und humanitäre Fachkräfte zur Verfügung und bietet militärische Ausbildung sowie wichtige Wirtschaftskredite für verbündete Länder in Krisensituationen.
MBZ ist das Mastermind hinter dem Image der VAE als »kleines Sparta« in der Region. Er hat die renommierte britische Militärakademie Sandhurst besucht und kontrolliert seit dem Golfkrieg effektiv die Verteidigungspolitik der Emirate. MBZ hat das Militär der VAE fast symbiotisch mit westlichen materiellen, operativen und sozialen Netzwerken aufgebaut. Er stellte dutzende westliche Militärs im Ruhestand als Berater ein, bezahlte die US-Marines, um seine Elite-Präsidentengarde auszubilden, und ging Partnerschaften mit ausländischen Unternehmen ein, um eine heimische Rüstungsindustrie praktisch von Null aufzubauen. Gleichzeitig bot er zahlreichen Waffenhändlern und Söldnern Anonymität und Schutz, darunter Erik Prince von Blackwater, Vertreter der russischen Wagner-Gruppe sowie kolumbianische Söldner, die im Sudan aktiv sind. Es ist wenig überraschend, dass MBZ diesen Militarismus auch intern auf die emiratische Gesellschaft ausweitet. Höhepunkt in dieser Hinsicht war die Einführung der Wehrpflicht 2014.
In den 2010er Jahren ermöglichte MBZs Erfolg mit dieser staatszentrierten, global vernetzten Militarisierung es, die Ideologie und die Interessen der autokratischen Herrschaft der Emirate aggressiver zu verfolgen. Seine Weltanschauung steht einerseits im Widerspruch zu den Kontrollmechanismen des politischen Islam (wie er in unterschiedlicher Weise von der Muslimbruderschaft und auch dem Iran vertreten wird), lehnt andererseits aber auch die Unvorhersehbarkeit grundlegender demokratischer Bewegungen ab.
Für die Elite der Emirate hat diese anti-islamistische sowie antidemokratische Haltung einen geradezu existenziellen Charakter. Trotzdem arrangiert sich der Westen mit dieser Haltung, solange seine Interessen in der Region – Öl und Israel – gewahrt bleiben. Westliche Politikerinnen und Politiker wissen trotz der demokratischen Lippenbekenntnisse, dass aus Dingen wie partizipativer Politik und fairen Wahlen in der arabischen Welt Ideen wie Souveränität über die heimischen Rohstoffe oder Solidarität mit Palästina entstehen und gefördert werden könnten. In diesem Sinne sind arabische Autokraten weitaus zuverlässigere Partner für neoliberale Ressourcenausbeutung und die Normalisierung Israels.
»Während nun wieder Explosionen den Himmel über dem Nahen Osten erhellen, bleibt das militärische Schicksal der Vereinigten Arabischen Emirate eng mit der US-amerikanischen Kriegsmaschinerie verknüpft.«
Dementsprechend war der Westen auch kaum zu vernehmen, als die VAE 94 Staatsbürger aufgriffen und in einem Massenprozess verurteilten, um Al Islah, die lokale Version der Muslimbruderschaft, zu zerschlagen. Auch gegen die unerbittliche Polizeirepression gibt es wenig Widerspruch. Ebenso erhoben westliche Regierungen kaum Einwände gegen die bewaffnete Intervention der Golfstaaten gegen bahrainische Demonstranten oder ihre Beteiligung am gewaltsamen Putsch gegen die (demokratisch gewählte) Regierung unter Führung der Muslimbruderschaft in Ägypten. Obwohl die VAE Libyen, den Jemen und den Sudan zerstören, Russland aktiv dabei helfen, westliche Sanktionen zu umgehen, und US-Technologie an das chinesische Militär weitergeben, täuscht die Diskussion über eine vermeintliche Kluft zwischen dem Westen und den Golfstaaten. Schließlich ist diese permanente Unsicherheit für alle Beteiligten äußerst profitabel.
Während die vielen vom Golf finanzierten Thinktanks im Westen ein Zeitalter des Nullsummenspiels und der Multipolarität heraufziehen sehen und den politischen Entscheidungsträgern signalisieren, sie sollten ihre Investitionen am Golf verstärken, ist es vielmehr Realität, dass Zentren des extrem repressiven Kapitalismus wie die Vereinigten Arabischen Emirate schon immer »multipolar« waren. Geldwäscher und Kriegsprofiteure sind von Natur aus farbenblind und flexibel; und den VAE geht es ihrerseits weniger darum, Partei für eine Seite zu ergreifen, als Geschäfte zu machen. Begriffe wie »Geopolitik« und »nationale Interessen« verschleiern, dass es durchaus gemeinsame Interessen zwischen Rentier-Netzwerken wie den Al Nahyans, den Trumps und russischen Oligarchen gibt.
Während nun wieder Explosionen den Himmel über dem Nahen Osten erhellen, bleibt das militärische Schicksal der Vereinigten Arabischen Emirate eng mit der US-amerikanischen Kriegsmaschinerie verknüpft. Es sind amerikanische THAAD-Raketen, nicht chinesische HQ-19, die Raketen über Dubai abfangen. Wenn sich die Lage beruhigt hat, werden die Munitionsvorräte wieder aufgefüllt, neue Deals geschlossen und das Säbelrasseln fortgesetzt werden – sollte der Iran ausgeschaltet sein, dann eben mit einem neuen Feind.
Derweil bleiben repräsentative Regierungsformen und ökonomische Gerechtigkeit die wahren und größten Bedrohungen für das Bündnis zwischen den USA, Israel und den Golfstaaten.
Stefan Bakumenko ist unabhängiger Forscher in Washington, DC. Zuvor arbeitete er bei Refugees International, dem International Peace Institute und dem Center for Civilians in Conflict.