26. Februar 2026
Die Deutsche Bank entließ eine Mitarbeiterin, nachdem sie verdächtige Aktivitäten auf Konten mit Verbindungen zu Jeffrey Epstein und Jared Kushner gemeldet hatte. Der Fall zeigt einmal mehr, wie ein rechtsfreier Raum für Eliten gezielt geschaffen wird.

Ein Foto aus den Epstein-Files zeigt den Sexualstraftäter auf einem Golfwagen zusammen mit dem Investor und Träger des Bundesverdienstkreuzes Henry Jarecki.
Eine ehemalige Compliance-Beauftragte der Deutschen Bank hat gegenüber dem FBI angegeben, sie sei 2018 entlassen worden, nachdem sie Bedenken hinsichtlich verdächtiger Bankaktivitäten von Konten des Unternehmers und Sexualstraftäters Jeffrey Epstein sowie von Konten in Verbindung mit Jared Kushner, dem Schwiegersohn, Berater und Geschäftspartner von US-Präsident Donald Trump, geäußert hatte. Die Vorwürfe finden sich in einem Bericht des FBI, der in den jüngsten Epstein-Files-Veröffentlichungen des Justizministeriums enthalten war.
Die ehemalige Anti-Geldwäsche-Beauftragte beschreibt gegenüber dem FBI »wahnsinnige« Kryptowährungstransaktionen zwischen Kushners Unternehmen und einer russischen Person. Sie behauptet außerdem, sie sei abgestraft worden, nachdem sie Bedenken hinsichtlich über hundert »politisch vernetzter Personen« geäußert hatte, die von den sonst üblichen Anti-Geldwäsche-Prüfungen ausgenommen worden waren.
Die Deutsche Bank war bereits Gegenstand einer intensiven Prüfung und hat hunderte Millionen Dollar für die Jahre, in denen sie mit Epstein Geschäfte gemacht hatte, gezahlt. Seit 2013 hatte die Bank Epstein erlaubt, bis zu 40 Konten zu eröffnen, obwohl er 2008 wegen der sexuellen Kontaktaufnahme mit Minderjährigen verurteilt worden war.
Die neuen FBI-Unterlagen geben Aufschluss über interne Meinungsverschiedenheiten beim Finanzinstitut darüber, wie mit einem der berühmt-berüchtigtsten Kunden umzugehen sei. Sie zeigen auch die (angeblichen) Repressalien gegen Personen, die die Entscheidung des skandalgeplagten Kreditinstituts in Frage stellten, Epsteins Kundschaft Vorrang vor potenziellen ethischen und rechtlichen Bedenken zu geben.
Laut dem FBI-Bericht vom 12. Juli 2019 arbeitete Tammy Hill McFadden bis 2018 als Compliance-Beauftragte für Geldwäschebekämpfung der Deutschen Bank in Florida, bis sie in einer – ihrer Meinung nach – »Racheaktion« entlassen wurde. McFadden war zuvor bis 2014 als Managerin in anderen Compliance-Büros der Deutschen Bank tätig, bis diese Aufgaben »nach Indien ausgelagert« wurden.
Laut der Befragung durch das FBI äußerte McFadden 2015 gegenüber ihren Vorgesetzten Bedenken hinsichtlich Transaktionen mit Epstein. Dieser habe »offenbar Überweisungen an junge Frauen, wohl in ihren Zwanzigern« getätigt, beispielsweise an eine Frau, die eine Kunstgalerie in Frankreich besaß.
McFadden teilte ihren Vorgesetzten außerdem mit, dass sie »nicht mehr an Epsteins Konten arbeiten« wolle. Ihr sei lediglich erwidert worden, dass »Epstein seine Strafe abgebüßt hat«, ein Verweis auf den Dealdes Sexualstraftäters mit dem Bundesstaat Florida im Jahr 2008. Im Rahmen dieser Abmachung musste Epstein dreizehn Monate im Gefängnis verbüßen, wobei er aber bis zu zwölf Stunden Freigang pro Tag bekam.
Lever konnte McFadden nicht für eine Stellungnahme erreichen. Offenbar war sie aber nicht die Einzige, die Vorbehalte gegenüber Epstein hegte: »Das gesamte [Anti-Geldwäsche-Team bei der Deutschen Bank] in Jacksonville, Florida wollte die Geschäftsbeziehung zu Epstein beenden«, erklärte McFadden den Ermittlern. Trotzdem habe das Unternehmen nur zögerlich gehandelt und erst nach Epsteins Verhaftungwegen Menschenhandels 2019 alle seine Konten geschlossen.
McFaddens Behauptungen stimmen mit Erkenntnissen der Finanzaufsichtsbehörden des Bundesstaates New York aus dem Jahr 2020 überein, als eine Geldstrafe in Höhe von 150 Millionen Dollar gegen die Bank verhängt wurde, weil diese von Epsteins Verbrechen profitiert haben soll, indem kein wirksames und rechtskonformes Programm gegen Geldwäsche unterhalten wurde.
»Im FBI-Bericht wird ferner festgehalten, McFadden habe Kushners Geschäftsaktivitäten als ›verblüffend‹ und ›wahnsinnig‹ empfunden und sie ›noch nie einen derartigen Geldfluss gesehen‹ habe.«
Die Anschuldigungen stimmen auch mit einer Klage überein, die mehrere Opfer Epsteins 2022 gegen die Deutsche Bank angestrengt hatten und in der ihnen schließlich 75 Millionen Dollar zugesprochen wurden. Die Klägerinnen warfen den Führungskräften der Deutschen Bank vor, »Profit über das Einhalten von Gesetzen« gestellt zu haben. Das Unternehmen habe wissentlich illegale Finanzaktivitäten im Zusammenhang mit Epstein zugelassen und finanziert.
In dem FBI-Bericht verweist McFadden auch auf bisher unbekannte Vorgänge, die ihrer Aussage nach die »Vergeltungskampagne« gegen sie ausgelöst haben. Ende 2015, so McFadden, habe sie 102 »politisch exponierte Personen« gefunden, bei denen es sich um »Hochrisikopersonen« handele, die »sofort hätten angegangen werden müssen«. Die Einstufung dieser Personen im internen Geldwäschebekämpfungssystem der Bank war jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben worden.
Politisch exponierte Personen, oder »PEPs«, sind Menschen, die mit öffentlichen oder Regierungsstellen in Verbindung stehen und von den Banken im Rahmen der Bekämpfung von Geldwäsche einer genaueren Prüfung unterzogen werden müssen, da sie ein höheres Risiko für illegale Finanzaktivitäten haben können. McFadden sagt im FBI-Bericht: »Damit etwas in den Status ›zurückgestellt‹ versetzt wird, muss jemand den Status entsprechend händisch ändern.«
McFadden schlug Alarm, als sie die 102 PEPs fand, die allesamt nicht geprüft worden waren – was sie zunächst für ein Versehen hielt. Laut ihrer Aussage löste sie damit jedoch eine »Vergeltungskampagne« ihres Vorgesetzten aus, der »begann, alle [ihre] Arbeiten zu kritisieren und abzulehnen«. Laut McFadden beeinträchtigten diese Ablehnungen ihre Arbeitsleistung, ließen sie einen Bonus verpassen und führten schließlich zur Kündigung im Jahr 2018, obwohl sie bis 2015 keinerlei Performance-Probleme gezeigt hatte. Die Bitte von Lever um eine Stellungnahme wies die Deutsche Bank zurück.
Im Jahr nach ihrer Entlassung wandte sich McFadden über die New York Times an die Öffentlichkeit. Sie behauptete, entlassen worden zu sein, nachdem sie versucht hatte, verdächtige Aktivitäten von einflussreichen Personen, darunter Kushner und Trump, zu melden.
Die Bank erklärte gegenüber der New York Times hingegen: »Zu keinem Zeitpunkt wurden Ermittler daran gehindert, potenziell verdächtige Aktivitäten zu melden. Darüber hinaus ist die Behauptung, dass jemand versetzt oder entlassen wurde, um Bedenken in Bezug auf einen Kunden auszuräumen, absolut falsch.«
Im Bericht der New York Times wird Epstein, der einige Monate später, am 6. Juli 2019, festgenommen wurde, nicht erwähnt. McFadden wurde sechs Tage nach seiner Verhaftung vom FBI befragt.
Die nun veröffentlichte FBI-Befragung wirft außerdem neues Licht auf McFaddens Vorwürfe gegen Kushner. Laut McFadden war sie 2016 auf ein Geschäftskonto von Kushner gestoßen, bei dem »ganz leicht zu erkennen war, dass die Aktivitäten verdächtig waren und es ein Problem gab«. »Die meisten Transaktionen erfolgten in Kryptowährung, und [McFadden] war nicht in der Lage, die Herkunft oder den Empfänger der Gelder zu überprüfen«, heißt es im Bericht. Kushners Unternehmen schien einen Mitarbeiter in Kryptowährung zu bezahlen.
Im FBI-Bericht wird ferner festgehalten, McFadden habe Kushners Geschäftsaktivitäten als »verblüffend« und »wahnsinnig« empfunden und sie »noch nie einen derartigen Geldfluss gesehen« habe. Eine Zahlung schien an eine russische Person zu gehen, deren Namen McFadden online recherchierte. Sie fand eine vermeintlich »gefälschte« Website, »die offenbar erfunden war« und auf der die Person als Angestellte von Kushner gelistet war. Als McFadden die Website von Kushners Unternehmen besuchte, »war die Person dort aber nicht als Mitarbeiter aufgeführt«.
McFadden erzählt weiter, ihr Vorgesetzter habe die Bedenken hinsichtlich Kushner als »unbegründet« eingestuft, und als sie auf Nachforschungen bestand, sei McFadden an eine Frau verwiesen worden, die nur als »Rose« vorgestellt wurde. Rose war angeblich Kushners Kundenbetreuerin bei der Deutschen Bank und somit für die Beziehungen der Bank zu ihrem vermögenden Kunden zuständig.
»Epstein war sicherlich ein sehr hohes Risiko, aber die Deutsche Bank behandelte ihn nicht als einen Hochrisikokunden.«
Laut McFadden durften derartige Kundenbetreuer allerdings »keinen Kontakt zu den Kunden aufnehmen oder ihnen Fragen zu ihren Aktivitäten stellen«, obwohl es ihre »Aufgabe ist, die Sorgfaltspflicht ihrer Kunden zu überwachen«. McFadden behauptet, der betreffende Vorgang sei abgeschlossen und abgehakt worden, nachdem Rose Kontakt zu Kushners Unternehmen aufgenommen hatte. Das von der Familie Kushner gehaltene Immobilienunternehmen Kushner Companies, LLC wollte sich zu den Vorgängen nicht äußern.
Als Reaktion auf McFaddens Vorwürfe aus dem Jahr 2019 erklärte ein Sprecher der Kushner Companies gegenüber der New York Times damals: »Alle Behauptungen bezüglich der Beziehung zwischen der Deutschen Bank und den Kushner Companies, die Geldwäsche beinhalten, sind vollständig erfunden und absolut falsch.«
McFadden weiß nicht, ob Trump oder Kushner auf der Liste der 102 politisch exponierten Personen standen, die im Anti-Geldwäsche-System der Bank nicht als »risikoreich« eingestuft wurden. Laut Gerichtsunterlagen hat die Deutsche Bank Epstein jedoch sozusagen »ehrenhalber« als PEP gelistet. Das deutet darauf hin, dass auch er vor allzu starken Kontrollen geschützt war.
»Ich vermute, dass sie diesen Begriff verwenden, um Dinge zu verschleiern«, bemerkte eine anonyme Zeugin in der Klage der Epstein-Opfer gegen die Deutsche Bank. »Epstein war sicherlich ein sehr hohes Risiko [...], aber die Deutsche Bank behandelte ihn nicht als einen Hochrisikokunden. Ich denke, dieser Status des ›Ehren-PEP‹ wurde erfunden, um zu erklären, warum er nicht als Kunde mit hohem Risiko behandelt wurde, dessen Konten tatsächlich ständig überprüft hätten werden müssen.«
Dieser Artikel erschien zuerst bei der preisgekrönten, unabhängigen Investigativredaktion The Lever.
Veronica Riccobene berichtet aus Washington für Lever. Sie hat Erfahrung in den Bereichen Live-Fernsehen, Langform- und Hochformatvideos sowie im Journalismus.
Freddy Brewster ist Reporter bei Lever. Seine Arbeiten wurden unter anderem in der Los Angeles Times, bei NBC News, CalMatters und Lost Coast Outpost veröffentlicht.