ABO
Das Online-Magazin von JACOBIN Deutschland

05. Februar 2026

Sollen sie doch Kino-Kuchen essen

Die Melania-Doku, ein zweistündiges Instagram-Reel mit Marie-Antoinette-Anklängen, fügt sich nahtlos ein in die Monarchie-Fantasien, die Donald Trump mit der Umgestaltung des Weißen Hauses und der ganzen USA verfolgt.

Melania und Donald Trump bei der Filmpremiere von »Melania«.

Melania und Donald Trump bei der Filmpremiere von »Melania«.

IMAGO / Agencia EFE

Am vergangenen Freitag feierte der Film Melania Premiere. In Los Angeles wurden viele Werbeplakate für die Dokumentation mit Graffiti bedacht: Melania Trump als Nazi-Barbie, komplett mit aufgemaltem Hitler-Schnurrbart und »Eva-Braun«-Namenszug. Alles sehr subtil. Ein treffenderer Vergleich, der beim Ansehen von Melania in den Sinn kommt, ist derweil der mit Marie Antoinette: die Trumps als dekadentes französisches Königshaus.

Marie Antoinette hat weder das Ancien Régime geschaffen noch den finanziellen Zusammenbruch Frankreichs im späten 18. Jahrhundert herbeigeführt. Generell ist sie heute weniger für ihre Regierungsführung als vielmehr für ihre extravagante Lebensweise bekannt: die prunkvollen Kleider, die makellosen Gärten, die verschwenderischen Feste und ihre Weigerung, Ausgaben zu kürzen, als die Bauern hungerten.

Melania Trump, wie sie in diesem Film dargestellt wird, ist Marie Antoinettes geistige Nachfolgerin, wenngleich sie auf Botox statt Reifröcke setzt und Penthouses in Manhattan dem Petit Trianon von Versailles vorzieht. Sie erscheint als dekorative Symbolfigur einer herrschenden Klasse, die sich in selbstverliebte Ästhetik zurückgezogen hat, während es unten auf den Straßen brodelt.

»Jedem Gast – darunter Elon Musk und der Rest von Trumps Hofstaat aus Tech-Baronen – soll ein mit Kaviar gefülltes, vergoldetes Ei serviert werden.«

Die »echte« Melania?

Der Dokumentarfilm ist als ein Blick hinter die Kulissen, ein Blick auf die »echte« Melania Trump während der drei Wochen vor der Amtseinführung ihres Ehemanns 2025 konzipiert. Doch es ist fast schon lächerlich, wie wenig über das tatsächliche Leben und die persönlichen politischen Ansichten der zweimaligen First Lady preisgegeben wird. Stattdessen erfahren wir, dass sie ihre Mutter, ihren Sohn Barron und die Musik von Michael Jackson liebt.

Den größten Teil des Films schwebt Melania in ihren unglaublich teuren Kleidern, die von ihrer kleinen Armee von Designern und Assistenten entworfen wurden, von riesigen, goldverzierten Räumen zu Limousinen und Privatjets, um zu gepflegten Anwesen in Mar-a-Lago oder schicken Ballsälen in Washington zu jetten. Alles ist so inszeniert, als wäre sie eine Luxusmarkenbotschafterin für das imperiale MAGA-Amerika.

So gibt es beispielsweise einen Nebenhandlungsstrang, in dem sie ein Candlelight-Dinner vor der Amtseinführung bespricht, bei dem das Farbschema an ihr präferiertes Weiß und Gold angepasst und jedem Gast – darunter Elon Musk und der Rest von Trumps Hofstaat aus Tech-Baronen – ein mit Kaviar gefülltes, vergoldetes Ei serviert werden soll.

»Die USA der 2020er Jahre sind nicht das vorrevolutionäre Frankreich, aber sie sind ein Land, das durch das wachsende Gefühl geprägt ist, dass das Leben der Elite auf einer vollkommen anderen Ebene stattfindet.«

Es handelt sich weniger um ein politisches Biopic als um ebenso langatmige wie pompöse Gefühlsduselei. Man wundert sich, dass es überhaupt Dialoge gibt. Tatsächlich spricht Melania selten; und wenn sie es tut, dann mit der zurückhaltenden Neutralität einer Person, die befürchtet, jemanden verärgern zu können. Der Großteil ihrer Aussagen im Film besteht aus gestelzten Sätzen wie: »Jeden Tag zeige ich Führungskraft, mit Zuwendung und Hingabe.«

Das klingt, als hätte ChatGPT die Finger im Spiel gehabt (was nicht einmal so abwegig ist – schließlich hat Melania mindestens eine Rede von Michelle Obama plagiiert). Die Kamera konzentriert sich stattdessen auf ihre Silhouette, ihre Haltung und ihre Kleidung, während sie sich mit ausländischen First Ladies und Königinnen trifft. Diese Kaiserin hat viele Kleider.

Ein Feigenblatt

Wichtig ist die Bildauswahl mit Blick auf die Zeit, in der Melania erscheint. Die USA der 2020er Jahre sind nicht das vorrevolutionäre Frankreich, aber sie sind ein Land, das durch klaffende Ungleichheit, eine Erosion der Institutionen und das wachsende Gefühl geprägt ist, dass das Leben der Elite auf einer vollkommen anderen Ebene stattfindet. Dieses Gefühl hat sich unter der zweiten Trump-Regierung noch verstärkt.

Nach dem gescheiterten Attentat auf Donald Trump in Pennsylvania Mitte 2024 hat sich seine Selbstmythologisierung in eine geradezu theologische Richtung entwickelt. Demnach hatte Trump nicht einfach Glück, als in das Projektil nur streifte: Er wurde verschont, Gott hatte interveniert. Trump, der sich nie unter seinem vermeintlichen Wert verkauft, verbiss sich in diese Idee der göttlichen Vorsehung. Auf seinen privaten wie offiziellen Online-Präsenzen begann er, mit monarchischer Symbolik zu hantieren, darunter künstlich generierten Darstellungen von ihm als König. Ein Cäsar, gekrönt im Caesar’s Palace.

Das Problem ist: Trumps Monarchie-Fantasien gehen inzwischen über KI-Slop und Social-Media-Geblubber hinaus. In seiner zweiten Amtszeit erweckt er zunehmend den Eindruck, er wolle prüfen, wie sehr er den modernen Staat in sein persönliches Herrschaftsgebiet umwandeln kann, bevor ihn jemand stoppt. Die Grenzpolizei sowie die Einwanderungsbehörde ICE wurden zu einer Art Privatarmee umgestaltet, die politische Gegner angreift und ungestraft tötet.

In der Außenpolitik sollen die USA laut der Nationalen Sicherheitsstrategie eine Trump-Version der Monroe-Doktrin verfolgen: Man will sich von Europa abwenden und die Vorherrschaft über die westliche Hemisphäre sichern – eine Politik aus dem 19. Jahrhundert, gepaart mit modernen Mittel der Gewaltausübung. Die NATO, einst ein gemeinsames Militärbündnis, wird zu einem Schutzgeldsystem, dessen Mitglieder »bezahlen« müssen, um unter dem US-amerikanischen Schutzschild zu bleiben. Praktisch alles in der näheren Umgebung (von Venezuela über Mexiko bis Kanada und Grönland) ist ein Vasallenstaat oder soll zukünftig einer sein. Es scheint, als wolle Trump zum Kaiser von Amerika werden.

»Die Epstein-Enthüllungen in Kombination mit diesem unendlich protzigen Film dürfte viele Menschen instinktiv an die Guillotine denken lassen.«

Zeitgleich wurde das Weiße Haus in etwas verwandelt, das immer mehr einem königlichen Hof ähnelt. Pläne, einen mehr als 8.000 Quadratmeter großen Ballsaal im Weißen Haus zu errichten (fast so groß wie das gesamte bestehende Gebäude), werden mit dem Eifer eines Monarchen verfolgt, der dringend einen weiteren Thronsaal braucht. Trumps Vorliebe für Prunk zeigt sich in 24-Karat-Goldverzierungen im Oval Office, heroischen Porträts von sich selbst in Bundesgebäuden, sowie in Plänen für einen monumentalen Triumphbogen in Washington (mit dem Spitznamen Arc de Trump), mit dem seine Herrschaft noch lange nach seinem Ableben unvergessen bleiben soll.

Vor diesem Hintergrund hört Melania auf, ein reines Vanity Project und ein kostspieliger Quid-pro-quo-Deal mit Jeff Bezos zu sein. Vielmehr wird die Dokumentation zu einem Propagandafilm, der die Tyrannei des Ehemanns aufhübscht und beschönigt. Wenn es schon kein Brot zu essen gibt, sollen wir doch Kino-Kuchen bekommen.

In Monarchien besteht die Rolle der Königin oft nicht darin, zu regieren, sondern das Image der Regentschaft zu schönen und zu heiligen: Während Donald gegen Feinde und Verrat wettert und geifert, gleitet Melania gelassen und unbeeindruckt durch ihr New Versailles und verkörpert das Fantasiebild einer Herrschaft, die über reine Politik hinausgeht. Der Film Melania möchte, dass man beruhigt wird; dass man das Lärmen der Politik vergisst. Er will uns sagen: »Nimm’ Dir einfach eine Beruhigungstablette und schau’, wie hübsch hier alles ist.«

Um die Ecke von Epstein

Der Regisseur des Films, Brett Ratner, wurde während der #MeToo-Ära gecancelt, nachdem mehrere Frauen ihm sexuelle Belästigung und Übergriffe vorgeworfen hatten. Manchmal könnte man meinen, er will darauf anspielen: Der Film beginnt mit Melania, die schweigend dasitzt, während Mick Jagger in »Gimme Shelter« singt, dass Krieg, Vergewaltigung und Mord nur »a shot away« sind. An anderer Stelle hören wir den 80er-Jahre-Hit »Everybody Wants to Rule the World«, während ein Jet mit dem Trump-Logo über die Landebahn rollt.

Vermutlich wird sich niemand allzu lange mit diesen Bild-Ton-Kombinationen aufhalten. Denn es geht wie gewohnt weiter: Der Film zeigt uns nun Aufnahmen von Melania, die am Tag der Amtseinführung einmal mehr einen Korridor entlang geht. Aus dem Off erzählt sie fast schon lustlos: »Ich spürte die Last der Geschichte, die mit meiner eigenen Erfahrung als Einwanderin verflochten war; eine Erinnerung daran, warum ich diese Nation so sehr respektiere. Jeder sollte tun, was er kann, um unsere individuellen Rechte zu schützen. Man darf sie niemals für selbstverständlich nehmen, denn letztendlich sind wir, egal woher wir kommen, durch dieselbe Menschlichkeit miteinander verbunden.«

Am Tag der Filmpremiere wurden übrigens die neuesten Akten aus den Epstein Files veröffentlicht. Die Enthüllungen in Kombination mit diesem unendlich protzigen Film – ein komplett sinnbefreites zweistündiges Instagram-Reel im Wert von 40 Millionen Dollar – dürfte viele Menschen instinktiv an die Guillotine denken lassen.

Ryan Zickgraf ist Journalist aus Atlanta.