1. Wie groß muss das Gefängnis sein?
1983 zeigte das Fernsehen der DDR die Verfilmung des zwei Jahre älteren Romans Pianke von Peter Abraham. Darin nehmen ein Vater und sein kleiner Sohn, die sich während des Zweiten Weltkriegs aus politischen Gründen in einer Berliner Gartenkolonie verstecken, ein jüdisches Mädchen bei sich auf. In einer Szene gegen Ende des Films fragt das Mädchen den Ersatzvater: »Werden nach dem Krieg die Nazis alle eingesperrt?« Der Erwachsene antwortet: »So große Gefängnisse gibt’s gar nicht, dass die da alle reinpassen.«
Die Deutsche Demokratische Republik, abgekürzt DDR, hat wie ihr westliches Gegenüber, die Bundesrepublik Deutschland, abgekürzt BRD, zur Legitimation eigener Staatsgewalt häufig darauf hingewiesen, diese sei ein Mittel zu dem Zweck, eine Wiederholung der Naziherrschaft zu verhindern. Das geschehe, hieß es dort, gründlicher als in der BRD, denn in der DDR seien das Groß- und Finanzkapital entmachtet, die Hitlers Aufstieg ermöglicht hatten. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, denke an den Unternehmer Alfred Hugenberg: ein Hitler-Unterstützer und bei den Nazis zeitweise Minister, der in seiner Person die Montanindustrie, das Zeitungswesen und die Rüstungswirtschaft etwa so zusammenfasste, wie heute Elon Musk sowohl Elektro-Autofabriken als auch ein Social-Media-Imperium und eine Weltraumfirma besitzt.