Als der Grünen-Politiker Cem Özdemir im Mai 2026 zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg vereidigt wurde, hoben die Medien vor allem seine Herkunft hervor. Als erster Ministerpräsident mit türkischen Wurzeln sei der »anatolische Schwabe« ein Vorzeigesprössling der deutsch-türkischen Migrationsgeschichte. Der obsessive Hinweis auf Özdemirs Geschichte als Kind von »Gastarbeitern« ist eine eingeübte Masche. Sie zieht bei jenen, die an der rassistischen Gewalt dieser Verhältnisse ohnehin nichts ändern wollen, weil sie sich für die Guten halten. In Wahrheit ist die Aufsteiger-Story des Gastarbeiterkinds Özdemir die Show eines falschen Vorbilds. In seinem Wahlkampf ging es um Brezel-Tattoos, das Ländle und Schwäbeln, nicht um Rassismus und soziale Ungleichheit.
Das »Wirtschaftswunder« war ein Werk migrantischer Arbeiterinnen und Arbeiter
Die »Gastarbeiter« sicherten den westdeutschen Wohlstand, wurden aber systematisch schlechtergestellt. Heute vor 65 Jahren begann mit dem deutsch-türkischen Anwerbeabkommen ein Kapitel der deutschen Migrationsgeschichte, dessen Logik bis heute fortbesteht.
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