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Das Silicon Valley sieht im Krieg einen Wachstumsmarkt

Venture Capital flutet die Verteidigungsindustrie und damit durchdringt die Sprache des Silicon Valley immer häufiger die Kriegsführung. Wer hier »gewinnen« will, möchte Profit machen – auch auf Kosten des Friedens.

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Das Silicon Valley sieht im Krieg einen Wachstumsmarkt
Für Investoren wie Peter Thiel ist Krieg bloß die nächste lukrative Geschäftsmöglichkeit. IMAGO / ZUMA Press Wire

Ende Februar 2026 beschloss der Deutsche Bundestag, Aufträge im Gesamtwert von 540 Millionen Euro an zwei Drohnen Start-Ups zu vergeben: Helsing und Stark Defense. Beide Unternehmen sind jung. Helsing wurde 2021 gegründet; zwei Jahre später wurde Helsing zum »Unicorn« – eine Firma, die mit 1 Milliarden Dollar oder mehr bewertet wird. In der Zwischenzeit ist das Unternehmen 18 Milliarden Dollar wert – mehr als die Lufthansa. Eine ähnlich rapide Erfolgsgeschichte gilt für Stark Defense. Wie auch Helsing entwickelt das Unternehmen Loitering Munition, oder Kamikaze-Drohnen. Auch wenn die Produkterfolge bislang eher bescheiden sind, wird der Wert der Firma auf 3.2 Milliarden Euro geschätzt, angekurbelt durch Millionen-Verträge mit der Regierung. Beide Unternehmen konnten hauptsächlich dank erheblicher Mengen an Venture Capital – Risikokapital – so schnell wachsen. Die Kapitaleinlagen stammen zu einem wesentlichen Teil auch von amerikanischen Investoren, unter anderem auch von kontroversen Personen wie Peter Thiel.

Wie auch in den USA wird die deutsche Verteidigungstechnologieindustrie zunehmend von der Dynamik des Risikokapitalmarkts geprägt. Die Bundesregierung hat nun auch Pläne, sich selbst als Investor für Start-Ups einzusetzen, also zum Risikokapitalinvestor zu werden. Dass Venture Capital unerwartet eine so prominente Rolle im Bereich Verteidigung einnehmen kann, hat mehrere Gründe, unter anderem auch die Bereitschaft wesentlich größere Summen in die Verteidigung zu stecken, was durch die gegenwärtig andauernden Konflikte stetig wächst. Ein wachsender Anteil dieser Budgets entfällt auf neue militärische Technologien, Künstliche Intelligenz, Kamikaze-Drohnen und zunehmend autonome Systeme.

»Die Vermarktung von technologischen Systemen zur tödlichen Gewaltanwendung erfordert eine Mischung aus Fakten und Fiktion, bei der sich die Dynamiken der Risikokapitalbranche mit denen der Kriegsführung verbinden.«

Das ist für Venture-Capital-Firmen attraktiv. Investoren gehen davon aus, dass der weltweite Rüstungsmarkt robust bleibt. Das heißt, dass der Markt bis 2030 weiterhin ein ungewöhnlich hohes Wachstum von 4,4 Prozent verzeichnen wird. Investitionsstrategien werden entsprechend danach ausgerichtet. Diese Konditionen haben den Risikokapitalmarkt für Dual-Use- und Militärtechnologie regelrecht beflügelt. Laut Pitchbook konnte der Markt »eines der stärksten Jahre« verzeichnen und, anders als in anderen Bereichen, scheint es keinerlei Anzeichen dafür zu geben, dass sich das in der nächsten Zeit ändert. Ganz im Gegenteil: Konflikt zahlt sich aus und der private Sektor ist gegenwärtig optimal positioniert. 

Risikokapital ist in erster Linie »spekulierendes Kapital«, schreibt Andreu Belsunces Goncalves, das »frühzeitig auf eine ungewisse Zukunft setzt und dadurch von drastischen Dynamikwechseln profitiert«. Risikokapital ist außerdem auch ungeduldiges Kapital. Investoren erwarten in der Regel innerhalb von 18 bis 24 Monaten, dass eine Start-Up-Firma ordentlich wächst und eine Traction hat – also zum Beispiel Verträge mit Kunden abschließt und sich vergrößert. Nur so können weitere Finanzierungsrunden entstehen. Traditionell war die Verteidigungsbranche kein ideales Umfeld für solche sportlichen Zeitschienen, da dieses Umfeld verständlicherweise durch regulatorische Auflagen geprägt ist und dazu braucht es oft etwas mehr Zeit. Die Regierungsbranche muss also konzeptionell umdenken, heißt es, damit die vielen neuen Start-Ups schneller vom Prototypen zum Serienauftrag kommen, sich durch das »Valley of Death« hangeln können, und damit auch den kurzen VC-Zyklen gerecht werden. 

Das bedeutet allerdings oft, dass die Sprache in der Start-Up-Szene hyperbolisch wird – große Versprechen müssen gemacht werden – über die Mission der Firma, das revolutionäre Produkt und das außergewöhnlich talentierte Gründerteam, um überhaupt die Aufmerksamkeit der großen VC-Firmen zu ergattern und dann den VC-Kapitalzyklus aufrecht zu erhalten. Wagniskapital lebt vom Hype. Anders als in allen vorhergehenden Epochen in der Vermarktung neuer militärischer Technologien, ist die jetzige Landschaft dezidiert von einem ähnlichen Hype geprägt, wie man ihn vom kommerziellen Bereich kennt. 

Von der Hype-Maschine zur Kriegsmaschine 

Hype beeinflusst Wahrnehmungen und Praktiken durch emotionsgeladene Narrative. Im Bereich Verteidigung ist der Technologiehype unmittelbar auch mit einem gewissen Hype um Krieg verbunden. In einem solchen Gefüge vermischen sich die Logiken des Venture Capital und die Kultur des Silicon Valley mit heroischen Vorstellung von Kriegsführung und Siegen, und bilden eine Melange in welchem eines semiotisch in das andere überläuft. 

So wird die jetzige Venture-Capital-Landschaft, zum Beispiel, gerne mit Kriegsführung gleichgesetzt. Ben Horowitz, Partner bei Andreessen Horowitz, einer der größten VC-Firmen weltweit, mit erheblichen Investitionen in Verteidigungs-Start-Ups, erklärt 2011 in einem Blog mit dem Titel »Friedens CEO/ Kriegs CEO«, dass für CEOs in Zeiten des verschärften Wettbewerbs Ausnahmeregeln gelten, wie im Krieg. Ein Kriegs-CEO muss manchmal zu autokratischen Maßnahmen greifen, Protokolle und Regeln missachten, Paranoia kultivieren und andere kriegerische Taktiken anwenden, um zu gewinnen – was heißt: um die Konkurrenz auszuschlagen und den Markt zu erobern, so Horowitz. Ein Kriegs-CEO wie Horowitz hat keine Zeit zur Lektüre von Managementbüchern, er ist viel »zu sehr damit beschäftigt den Feind zu besiegen«. Es geht ja schließlich ums Überleben.

»Die letzten 50 Jahre, gezeichnet von relativer Stabilität und Frieden, seien die der eigentliche Grund der technologischen Stagnation im Westen, findet Peter Thiel.«

Die semiotische Verblendung funktioniert auch andersherum: Praktiken in der Kriegsführung werden, zum Beispiel, auch mit der Sprache des Risikokapitals konzipiert. Der US-amerikanische »Kriegsminister«, Pete Hegseth, stellt die amerikanische Kriegsmaschinerie häufig in den Begriffen der Technologie und VC-Branche dar. Schlagworte sind hier: Risiko, Schnelligkeit und Volumen, also Speed & Scale. Das Beschaffungsprogramm der amerikanischen Verteidigung funktioniert seit diesem Jahr wie ein Portfolio, für das Schnelligkeit in der Waffenlieferung zum wichtigsten Messwert wird. »Schließlich sind wir Kapitalisten«, konstatierte Hegseth amüsiert. 

Auch andere Begriffe die man aus dem finanziellen Bereich kennt schleichen sich ein. Der Begriff »10X«, zum Beispiel, wird auch zum Maßstab für militärischen Erfolg. So möchte man die Britische Armee durch KI und autonome Systeme »10X letaler« machen. Und die Armee der USA hat ein Programm namens 10X, das sich zum Ziel gesetzt hat, Mobilität und Missionsplanung um das Zehnfache zu verbessern. Der Begriff 10X kommt aus der Investitionsbranche und wird häufig auf das 2014 erschienene Buch Zero to One von Peter Thiel und Blake Masters zurückgeführt. In dem Buch beteuern Thiel und Masters, dass man zehnmal besser sein muss um der Konkurrenz zu entrinnen. 

Thiel hat den Begriff nicht erfunden, hat ihn aber für die gesamte Tech-Start-Up-Branche zum Mantra gemacht. Dass dieses vage Konzept nun im Zusammenhang mit letalen Waffensystemen zum Einsatz kommt, ist sowohl bedeutungslos als auch beunruhigend. Auch die Vereidigung von vier Führungskräften der Technologiefirmen Palantir, Meta und OpenAI zu hochrangingen Reservisten der US-Armee verdeutlicht die Melange von Business und Kriegsführung, die sich gegenwärtig vor unseren Augen vollzieht. Keiner der neu-vereidigten Reservisten verfügt über Militärkenntnisse oder Ausbildung, und dennoch haben sie nun als Generalleutnant eine gewisse Führungsrolle in der Armee und damit auch Möglichkeit die Verteidigungsbranche von innen nach dem Ebenbild von Silicon Valley und Venture Capital zu formen. 

Gewinnen um jeden Preis 

Die Grenze zwischen Business und Krieg war schon immer porös, insofern ist das jetzige Kriegs-Wirtschafts-Ensemble vielleicht nicht allzu überraschend. Aber was an diesem Gefüge doch anders ist, ist, dass durch die semiotische Verschmelzung die Interessen von einem Bereich mühelos mit der Praxis des anderen verknüpft werden können. Und oft werden dadurch die Businessinteressen in den Vordergrund gerückt. 

Ziel ist es, im weitesten Sinn des Begriffs zu »siegen« – was auch immer das bedeuten mag. »Gewinnen« ist das Wichtigste, so wird es ständig in hyperbolischen Übertreibungen wiederholt. Gewinnen bedeutet hier aber hauptsächlich finanziellen Gewinn machen. So hat die Datenanalysefirma Palantir, zum Beispiel, den Slogan »the primacy of winning« zum Leitmotiv gemacht – Siegen ist das Wichtigste, alles andere ist zweitrangig. Siegen bedeutet hier vermutlich sowohl die Konkurrenz auszustechen als auch den Feind zu besiegen. Diese Mehrdeutigkeit vermischt Business-Hype mit Kriegs-Hype und pauschalisiert damit beides.

Die Vermarktung von technologischen Systemen zur tödlichen Gewaltanwendung erfordert eine Mischung aus Fakten und Fiktion, bei der sich die Dynamiken der Risikokapitalbranche mit denen der Kriegsführung verbinden. Das wiederum produziert vielschichtige spekulative und oft heroische Narrative, in welchem der Sieg in den Vordergrund gerückt wird. Entscheidend dabei ist nicht ein realistisches Bild zu zeichnen, was es denn bedeuten mag, einen Krieg zu gewinnen (was historisch-gesehen ein sehr komplexes Thema ist), sondern es geht um eine Abstrahierung der Idee des Gewinnens.

»Für Investoren ist der Krieg in der Ukraine eine lukrative Profitchance, so manchem VC-Investoren ist aber auch klar, dass diese Chance eventuell schwindet, wenn der Krieg endet.«

So heißt es, zum Beispiel, bei einem Promofilm von Palantir im Abspann »Schlachten werden gewonnen, bevor sie überhaupt beginnen«. Hier wieder die Mehrdeutigkeit – geht es um Krieg oder geht es darum Aufträge an Land zu ziehen, geschäftliche Erfolge zu erzielen, die Konkurrenz auszustechen? Das »Primat des Siegens« kann als kampfbereit im Businessbereich oder als patriotische Entschlossenheit – oder beides – interpretiert werden. 

Peter Thiel geht recht erfolgreich mit solchen Narrativen hausieren. Konflikt wird als Wachstumsmotor und Erfolgsbringend wahrgenommen. Business, Krieg und ideologisches Gedankengut vermischen sich hier zu einer gewieften Logik, die Thiel in einem New York Times-Interview preisgab: Es seien in der Tat die letzten 50 Jahre, gezeichnet von relativer Stabilität und Frieden, die der eigentliche Grund der technologischen Stagnation im Westen seien. Um es anders auszudrücken: Um innovativ zu sein, braucht es Unruhe, wenn nicht gleich Chaos und Konflikt. Solche Narrative haben natürlich Auswirkungen. Sie normalisieren die Idee der Krise, des Chaotischen und des Umbruchs als notwendige Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand. Dass Krieg und Konflikt in so einem Gefüge zum Referent werden, ist eindeutig. 

Krisen begünstigen Ausnahmezustände und solche Ausnahmezustände ermöglichen es wiederum, dass rapide Handlungen im Dunkeln abgewickelt werden und demokratische Transparenz in den Hintergrund rückt. Wichtig wird die schnelle Akquise und die moralisierte Unterstützung der neuen Technologiefirmen als Hoffnungsträger (und Investitionsvehikel). Alles, was diese Dynamik verlangsamt – Regulierung, Debatte, demokratische Übersicht – wird als Hindernis zum Sieg dargestellt. Nur so kann das Tempo der neuen Start-Up- und VC-Welt erreicht werden. Auf diese Weise wird der Krieg als eine Form des Ausnahmezustands zu einer geschäftlichen Notwendigkeit. Diese Schlussfolgerung mag vielleicht überspitzt klingen, aber man darf die Logik, die der Risikokapitalmarkt zur Verteidigungsbranche bringt, ruhig durchspielen, um zu erkennen, dass die Ziele von Risikokapitalgebern eventuell eine destabilisierende Tendenz haben und den Nährboden für latente Konfliktszenarien bereiten. 

Vibe Shift

Die hyperbolische Rhetorik im neuen Verteidigungstechniksektor setzt die zuvor skizzierten Ambitionen des »Wartime CEOs« direkt um. Im Ausnahmezustand muss man tun, was getan werden muss. Auch wenn es gegen existierende Normen verstößt. Natürlich sind nicht alle Risikokapitalinvestoren gleich hyperbolisch in ihren öffentlichen Narrativen, weder in Europa noch in Amerika. Da gibt es sicherlich viele Firmen, die sich schwertun mit der Idee aus Konflikt und damit aus dem Leiden anderer Menschen Gewinn zu schlagen. Allerdings ist es offensichtlich, dass alle in gewissem Maße von dem Vibe Shift, der von einer Handvoll sehr prominenter Vertreter propagiert wird, profitieren. In diesem Vibe Shift wird Krieg zu Business, Business zu Krieg, Frieden und Demokratie werden zum semiotischen Spielball.

Die tragische Realität, was es für Menschen bedeutet, Krieg erleben zu müssen, kommt selten, oft gar nicht, zur Sprache. Vielmehr ist die Verflechtung finanzieller, technologischer und militärischer Logiken bereits weit fortgeschritten. In Großbritannien und Europa übernimmt man zunehmend die Praktiken (und auch die Sprache) der USA, wobei man sich wiederholt auf die Erfordernisse der Ukraine beruft. Das Überleben der Ukraine in diesem sinnlosen Angriffskrieg von Russland gilt als Rechtfertigung für gelockerte Beschaffungsregeln und andere Ausnahmen von normalen Regelwerken. Gleichzeitig wird die Ukraine wiederholt als leuchtendes Beispiel dafür angegeben, wie Rüstungsbeschaffung im Idealfall auch in Friedenszeiten funktionieren sollte: dezentralisiert, direkt vom Hersteller zur Brigade, die Brigaden selbst agieren ähnlich wie Start-Ups, die um Investitionen aus internen oder externen Quellen konkurrieren. Das Schlachtfeld als freier Markt. 

Für Venture Capital sind solche Bedingungen ideal. Der andauernde Krieg hat Plattformsysteme, die im zivilen Bereich lukrativ waren, begünstigt. Die ukrainische Initiative Brave1, zum Beispiel, funktioniert wie ein »Amazon für Waffensysteme«: Soldaten können durch die Plattform Punkte gegen Drohnen, Roboter oder Systemkomponenten eintauschen, direkt über eine App. Punkte, sogenannte ePoints, kann man dadurch sammeln, dass man russische Militärobjekte oder Soldaten zerstört oder auch verletzte Kameraden rettet. Videos von der Handlung werden eingeschickt und dann entsprechend ausgewertet. 

»Gewinnen und Überleben lassen sich natürlich im Geschäftsleben viel einfacher erzielen; wie man gerade an den aktuellen Konflikten sieht, ist Gewinnen wesentlich schwieriger in Bezug auf komplexe geopolitische Konflikte.«

Das produziert natürlich auch eine Unmenge neuer Daten, die dann wiederum zum Trainieren neuer KI Systeme eingesetzt werden können. Palantir hat zusammen mit Brave1 nun das Projekt Brave1 Dataroom gestartet, das gezielt die Entwicklung autonomer KI Systeme beschleunigen möchte. Andere Risikokapitalinitiativen wie Darkstar bauen darauf, das militärische-technologische Umfeld auszubauen und vernetzen Gründer, Investoren und Brigaden an der Front. So könne neue Start-Ups ihre Systeme direkt an die Front schicken und mit dem Etikett »kampferprobt« die Wertschätzung der Systeme und der Firma steigern. 

Hier spielt sich eine verhängnisvolle Abstraktion ab. Für Investoren ist der Krieg in der Ukraine eine lukrative Profitchance, so manchem VC-Investoren ist aber auch klar, dass diese Chance eventuell schwindet, wenn der Krieg endet. Die ukrainischen Soldaten wissen, dass ihr Überleben von einem ununterbrochenen Zustrom an Waffen, Munitionen und Geldern abhängig ist, wünschen sich aber vor allem ein Ende des »größten Blutvergießen seit dem 2. Weltkrieg« ohne aufgeben zu müssen. All diese grundlegend gegensätzlichen Interessen werden so auf tragische Weise miteinander verstrickt. 

Das Vermischen von Krieg und Venture-Hype hat mindestens zwei Effekte: Erstens macht es die Austauschbarkeit zwischen Krieg und Business rhetorisch möglich – das Siegen einer Firma auf dem Markt kann damit ähnlich gerechtfertigt werden wie das Überleben eines Staates. Man muss tun, was erforderlich ist. Gewinnen und Überleben lassen sich natürlich im Geschäftsleben viel einfacher erzielen; wie man gerade an den aktuellen Konflikten sieht, ist Gewinnen wesentlich schwieriger in Bezug auf komplexe geopolitische Konflikte. Die Mischung, die Business und Krieg rhetorisch miteinander gleichsetzt, untergräbt und trivialisiert daher grundlegend das Verständnis darüber, was es bedeutet, Krieg zu führen und zu erleben. 

Der zweite Effekt steckt darin, dass solche Narrative eine gewisse Militarisierung zentralisieren und Abhängigkeiten produzieren. Es geht also nicht nur um den Krieg als außerordentliches Ereignis, sondern auch um den ganzen Apparat, der um die immerwährende Möglichkeit des gewaltvollen Krieges entsteht. Die allumfassende Kriegswirtschaft – als wirtschaftlicher Motor und moralisches Mandat. Sobald man zentrale Infrastrukturen erstellt, die Profit durch Konflikt erzielen können, macht man sich genau von solchen Gefügen wirtschaftlich abhängig. 

Wenn alle in den USA, in Großbritannien, in Deutschland dieselben Worte und Slogans benutzen – »peace through strength«, keine Zeit verlieren, Regulierung steht im Weg, mehr Start-Ups, Mentalitätswechsel, Mut zum Risiko! – sollte man immer fragen, woher das kommt und auf welchen Grundlagen das eigentlich beruht oder ob man nicht in ein gefährliches Gruppendenken hineinsteuert, das gewisse Perspektiven und Interessen privilegiert und andere Optionen aus dem Blickfeld rückt. Keine Version der Zukunft ist wirklich unvermeidbar. Zusammen mit dem Denken ist die menschliche Kreativität unser Kapital. Wir sollten dieses Kapital gezielt, vorausschauend und großzügig anwenden, um uns eine wirklich innovative Zukunft ohne Krise auszumalen und konkret in diese – auch finanziell - zu investieren.


Eine frühere Fassung dieses Beitrags erschien in einer Kooperation von hypestudies.org mit TechPolicy.press.

Elke Schwarz

Elke Schwarz ist Professorin für Politische Theorie an der Queen Mary University London, Vice-Chair des International Committee for Robot Arms Control (ICRAC) und Associate beim Imperial War Museum Institute, London.

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