Als mein Buch Technofeudalismus im Jahr 2023 erschien, hätte ich nicht gedacht, dass es von Leuten wie Steve Bannon mit Begeisterung aufgenommen würde. Durchaus gerechnet hatte ich hingegen mit einer Welle der Kritik seitens marxistischer Denker, insbesondere als Reaktion auf den provokanten Untertitel des Buches (Was den Kapitalismus tötete). Nun ist es an mir, die marxistischen Argumente für die Technofeudalismus-Hypothese darzulegen. Denn obwohl sie für ein breiteres Publikum geschrieben wurde, war sie in ihrer Konzeption marxistisch.
Karl Marx’ eigene Methode zielte darauf ab, rein moralistische Kritik an der Neigung des Kapitalismus zu Ungerechtigkeit, Monopolbildung und Korruption zu vermeiden. Stattdessen untersuchte er den Kapitalismus in seiner reinsten Form: als ein anarchisches Marktsystem, das von einer bestimmten Kraft – dem Kapital – angetrieben wird, die nach ihrer eigenen Vermehrung strebt. Diese Vermehrung erfordert die Kommodifizierung von allem sowie einen erbitterten Klassenkampf um den Mehrwert/Surplus. Jede Analyse, die beansprucht, Marx’ Werk fortzuführen, muss ebenso vorgehen.
Heute, so behaupte ich, hat eine Mutation des Kapitals ungewöhnlich stark an Einfluss gewonnen. Ich nenne sie »Cloud-Kapital«: ein Netzwerk beeindruckender Maschinen, die keine Waren produzieren, sondern enorme Kräfte zur Profiterzielung generieren, indem sie direkt mit uns interagieren – jenseits dessen, was man noch als Markt bezeichnen könnte. Eine Analyse dieser neuartigen Form des Kapitals sollte die Aufgabe jedes und jeder Marxistin sein.