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Europa steigt ab – und das ist gut so

Die EU muss nicht als Disneyland oder als Gated Community enden. Der Abschied von Großmachtfantasien könnte auch befreiend wirken.

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Europa steigt ab – und das ist gut so
Blüht Europa eine Zukunft als bloße Tourismus-Kulisse? IMAGO / Anadolu Agency

Unter den zeitgenössischen europäischen Autoren tut sich der Schriftsteller Michel Houellebecq nicht gerade durch seinen Optimismus hervor. Ein Leitmotiv in seinem drei Jahrzehnte überspannenden Werk ist der unausweichliche Niedergang der Menschheit, von der Qualität der Online-Pornographie bis hin zur europäischen Zivilisation. »Frankreich hat es aufgegeben, sich weiterzuentwickeln«, schrieb er 2014. »Wir sind nicht nur Touristen in unserem eigenen Land, sondern aktive Teilnehmer am Tourismus.«

Houellebecqs damaliger Kommentar erscheint heute prophetisch. Das seit längerem schwächelnde Wirtschaftswachstum ist inzwischen auf dem gesamten Kontinent auf nahezu null gesunken. Selbst der Gigant der deutschen Industrie steckt tief in der Krise. Die Dynamik ist verschwunden und wurde durch schmerzhafte Abhängigkeiten ersetzt: Europas Technologie kommt aus den USA, seine kritischen Rohstoffe aus China. Die Verwandlung des Kontinents in einen trostlosen Spielplatz für Touristen, dessen Wirtschaft nur noch darauf ausgerichtet ist, die Besucher zu bedienen, scheint keine schwarzmalerische Spekulation mehr zu sein.