Vor einigen Monaten unterhielt ich mich mit einem liberalen Geschichtsprofessor in den Vierzigern. Er erzählte mir, dass er sich gerade für sein nächstes Buch in die Anti-Globalisierungsbewegungen Ende der 1990er Jahre einliest. Als das neue Jahrtausend näher rückte, schien der globale Kapitalismus damals unangefochten. Selbst Sozialdemokraten und Ex-Kommunisten sangen Loblieder auf den freien Markt; Russland und China wurden in globale Institutionen wie die Welthandelsorganisation (WTO) integriert. Doch dies, so hatte der Professor festgestellt, war nicht die ganze Geschichte. Schließlich war jedes der Treffen dieser elitären Organisationen von Massenprotesten begleitet, auf denen eine alternative Weltgemeinschaft gefordert wurde. Diese bunte Koalition konnte zwar nicht genau darlegen, was sie genau wollte. Aber sie hatte, so sagte er, die Ambition, die Welt zu verändern – ein Anspruch, der in der heutigen Linken kaum noch zu finden sei.
Hardt und Negri hatten mit allem Unrecht
Das Buch »Empire« von Michael Hardt und Antonio Negri galt in den frühen 2000ern als wegweisende Globalisierungstheorie jenseits veralteter marxistischer Denkmuster. Doch der von ihnen als dauerhaft beschriebene kapitalistische Internationalismus liegt heute in Trümmern.
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