Die traditionsreiche britische Wochenzeitung The Economist blickt auf Deutschland und erklärt die stärkste Volkswirtschaft des Kontinents zum kranken Mann Europas. Die Exportnachfrage schwächelt, das Wachstum stockt, die Arbeitslosigkeit steigt. Wer diese Diagnose liest, könnte sie für eine aktuelle Bestandsaufnahme halten. Tatsächlich stammt sie aus dem Jahr 1999.
Damit die Wirtschaft wieder gesundet, wurde der Ruf nach Reformen zum politischen Imperativ. »Erneuerung« und »Wettbewerbsfähigkeit« waren die Vokabeln dieser Zeit, die Agenda-Reform der Schröder-Regierung war die politische Operationalisierung dieses Modernisierungsversprechens: Mehr Markt, mehr Flexibilität und weniger soziale Absicherungen sollten den deutschen Kapitalismus aus seiner Wachstumskrise führen.